Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 3. (Dritte Folge, 1904)

Hauptmann Veltzé: Aus den Tagen von Pordenone und Sacile. Die österreichische Offensive in Italien 1809 (10. bis 30. April) - Die französisch-italienische Armee

Ans den Tagen von Pordenone und Saoile. 135 noch überzeugt hatte, daß das gesamte Geschütz, die Muni­tionswagen und der Train den Predil passiert hatten; mit Ausnahme einiger Wagen, welche über die steilen Böschungen der Gebirgsstraße in die Abgründe gestürzt waren, hatte die Armee, welche vom besten Geiste beseelt war, keinerlei nennenswerte Verluste zu beklagen. Der kaiserliche Prinz teilte alle Beschwerden mit seinen Truppen und bot denselben das beste Vorbild. Die französisch-italienische Armee. Prinz Eugen Beauharnais, Vizekönig von Italien, stand an der Spitze aller Truppen, welche in dem seiner Obhut an­vertrauten Lande sowie in dem zugehörigen Dalmatien dis­loziert waren; seine Residenz war Mailand. Geboren am 3. September 1781, vollendete dieser Prinz im Laufe des Jahres 1809 erst sein 28. Lebensjahr; trotzdem kann ihm das Zeugnis nicht versagt werden, daß er durch rastlose Tätigkeit bemüht war das Vertrauen zu rechtfertigen, welches sein kaiser­licher Adoptivvater in ihn gesetzt hatte. Sein Hauptehrgeiz bestand allerdings darin, mit pein­lichster Gewissenhaftigkeit und ohne Widerrede oder Vor­stellung jedweden Befehl Napoleons selbst dann auszuführen, wenn er von dessen Unzweckmäßigkeit überzeugt war; be­zeichnend hiefür sind die Worte, die der verbannte Monarch auf St. Helena, also in einer Zeitepoche seines Lebens aus­sprach, die freundlichen Erinnerungen wenig zugänglich gewesen sein dürfte: „Eugene ne m’a jamais cause aucun chagrin1).” Napoleon leitete die Angelegenheiten des jungen König­reiches selbst, alle militärischen Maßnahmen gingen durch seine Hand: er wußte den Standort und die Stärke jedes Bataillons, er traf Anordnungen über die Komplettierung der Streitkräfte, über die Befestigung wichtiger Punkte und Fluß­übergänge auf der ganzen apenninischen Halbinsel, gleichwie in Dalmatien und an allen Grenzen seines weiten Reiches. Und demütig beugte Prinz Eugen sein Haupt, wenn eine verfehlte Maßnahme den vollen Zorn des Kaisers erweckte *) *) Du Casse, Titelblatt.

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