Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 3. (Dritte Folge, 1904)

Hauptmann Veltzé: Aus den Tagen von Pordenone und Sacile. Die österreichische Offensive in Italien 1809 (10. bis 30. April) - Die Armee des Erzherzogs Johann

Aus den Tagen von Pordenone und Sacile. 129 artig sich ausbreitenden Ausläufer der Alpen bilden endlich im Vereine mit dem Ledrailusse jene feste, vorteilhafte Stellung bei San Daniele, welche, unbesorgt für einen Rück­zug im unglücklichsten Falle, bis auf den letzten Augenblick gehalten werden kann. Weit länger ist der Weg über die Anhöhen des mächtig aufsteigenden Predil; in Serpentinen schlängelt sich mühsam die Straße auf die Paßhöhe dieses Gebirgsstockes, führt an tiefen Abstürzen vorbei durch die Flitscher Klause zu dem gleichnamigen Orte im Isonzotal und dann in einem mächtigen Bogen nach Karfreit (italienisch Oaporetto). Von hier muß erst der Übergang in das Natisonetal erklommen werden, um nach einem starken Marsche bei Cividale die Ebene zu erreichen. Wohl verteidigt, können beide Defilés nur mit be­deutenden Verlusten bezwungen werden; es galt daher in erster Linie den Gegner über die gewählte Anmarschlinie zu täuschen. Die Stellung der Division Broussier an der Ledra und jener von Grenier am Tagliamento bezeugten deutlich genug, daß die Franzosen ihr hauptsächlichstes Augenmerk auf das Fellatal gerichtet hatten; Seras war gegen den Isonzo postiert, während die Einbruchslinie von Karfreit gegen Cividale fast ganz unbeachtet blieb. Gelang es daher die Aufmerksamkeit des Gegners ganz gegen Pontebba zu lenken, so war dem Erzherzog bei der Wahl der zweiten Linie die Gelegenheit geboten, fast ohne Schwertstreich die italienische Ebene zu gewinnen, ja er konnte sogar darauf rechnen, Broussier durch einen kräftigen Vorstoß von Cividale aus, vom Tagliamento und mithin von seiner Haupttruppe abzuschneiden, falls er sich zu sehr in das Fellatal vorgewagt hätte1). ') Es muß stets als ein müßiges Beginnen erscheinen, durch Auf­stellung von Hypothesen an einem vollkommenen Erfolg mäkeln zu wollen; aber die Behauptung, daß es dem Erzherzog angeblich mehr darum zu tun war, eine neue, vor ihm noch nicht gewählte Einbruchs­linie zu entdecken, als seine ihm anvertraute Armee mit möglichst geringen Verlusten in die Ebenen Italiens zu bringen, verdient, allerdings nur zur Würze des Stoffes, einer besonderen Erwähnung. — Vaudon- court, I, 137: „Mais il voulut faire du neuf, et chercher une direction que n’eűt suivie aucun generál avant lui, et qu’aucun ne suivra pro- bablement aprés.” Mitteilungen des k. und k. Kriegsarchivs. Dritte Folge. III. Bd. 9

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