Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 3. (Dritte Folge, 1904)
Hauptmann Veltzé: Aus den Tagen von Pordenone und Sacile. Die österreichische Offensive in Italien 1809 (10. bis 30. April) - Die Armee des Erzherzogs Johann
124 V e 11 z ó. Sollten die Truppen in Italien einen Waffenerfolg erringen, so wollte der Erzherzog bis an die Etsch Vordringen und daselbst den Streitkräften in Tirol die Hand bieten; er hatte sich anheischig gemacht, binnen 14 Tagen diese Aufgabe zu lösen und Tirol vom Gegner gereinigt zu haben1). Erzherzog Karl hatte endlich zugestimmt, jedoch mit Rücksicht auf seine eigenen Operationen nicht versäumt, die Besetzung und Behauptung Tirols und der überaus wichtigen Verbindungslinie über den Brenner seinem Bruder wiederholt ans Herz zu legen. Die Vorrückung bis an die Etsch wurde unbedingt gutgeheißen, jedoch betont, daß nur der Besitz des Stützpunktes Verona die Sicherung der Verbindung mit Tirol und im weiteren Verlaufe mit dem von Salzburg gegen München operierenden Korps Jellachich gewährleisten könne2). Dementsprechend erließ Erzherzog Johann am 1. April von Graz aus folgende Dispositionen für die Durchführung der Angriffsoperationen: Rechte Hauptkolonne. Kommandant FML. Chasteler3). 1. Brigade GM. Marchal: je 3 Bataillone Hohenlohe- Bartenstein und Lusignan-Infanterie, 3 Eskadronen Hohen- zollem-Chevauxlegers. 2. Brigade GM. Fenner: 1 (9.) Bataillon Jäger, 2 Villacher, 1 Klagenfurter und 2 Brücker Landwehrbataillone. Artillerie: 1 dreipfündige Brigadebatterie, 1 sechs- pfündige Positionsbatterie, V2 Kavalleriebatterie. V2 Pionierkompagnie, V2 Stabsinfanteriekompagnie, 1 Sanitätskompagnie und 1 Abteilung Stabsdragoner. Dieses Korps hatte am 8. April bei Oberdrauburg und St. Lorenzen versammelt zu sein, am Abend die Aufkündigung den bayrischen Vorposten zukommen zu lassen und am folgenden Morgen die Feindseligkeiten zu beginnen. ') Hormayr, 1817, 34. 2) K. A., P. A. 1809, Op. Journ. 52. s) K. A., P. A. 1809, Ital., IV, 16, 17. Die Ereignisse in Tirol werden hier nur insoweit zur Besprechung gelangen, als es die Operationen in Italien notwendig erscheinen lassen.