Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 3. (Dritte Folge, 1904)
Hauptmann Veltzé: Aus den Tagen von Pordenone und Sacile. Die österreichische Offensive in Italien 1809 (10. bis 30. April) - Einleitung
116 V e 11 z é. dem Ansehen der traditionellen Vormacht in Mitteleuropa einen tödlichen Stoß. Die politische und militärische Situation Österreichs war durch die Maßregeln Napoleons, welcher auch in Friedenszeiten unentwegt auf eine Schwächung des Donaureiches, auf eine Lahmlegung seiner Kräfte bedacht war, geradezu unerträglich geworden. Es hatte Belgien und seine ganzen Besitzungen in Italien, Tirol und Vorarlberg abtreten müssen, es wurde im Westen und im Nordwesten vom Bheinbunde1) umspannt, welchem sich im Herzen Deutschlands auch das neugeschaffene Königreich Westfalen unter Napoleons jüngstem Bruder Hieronymus anschließen mußte — es grenzte weiter an das ihm feindlich gegenüberstehende Herzogtum Warschau und im Osten an das im Bunde mit Frankreich stehende Rußland. Im Süden verstand es die französische Politik, das Mißtrauen der Pforte stets wachzuerhalten, inDalmatien standenN apoleons Truppen hart an der Grenze Kroatiens, in Mailand hatte der Korse sich die Eiserne Krone aufs Haupt gesetzt und seine Vorposten bis an den Isonzo und gegen Pontebba vorgeschoben. Von der See war Österreich fast ganz abgedrängt und der Verkehr mit dem Stückchen Küste, welches es noch sein eigen nannte, stand unter der steten Kontrolle französischer Bajonette; hatte doch Napoleon im letzten Friedensschlüsse seinen in Italien, Istrien und Dalmatien stehenden Truppen das freie Durchzugsrecht über österreichisches Gebiet erzwungen! Dieses beengende Gefühl zu bannen, die Fesseln zu sprengen, welche das Machtwort eines Einzelnen, allen Traditionen zum Hohne einem Staate auferlegt hatte, der auf eine so ruhmvolle Vergangenheit zurückblicken durfte, mußte seinem Monarchen abermals das Schwert in die Hand drücken, wollte er nicht durch weiteres Schweigen diese Akte der Willkür sanktionieren. Und so rüstete Österreich schon seit dem Tage von Preß- burg zu neuem Kampfe. ') Dem Bheinbunde gehörten an: Bayern, Württemberg, Sachsen, Westfalen, Baden, Hessen-Darmstadt, Berg und Kleve, Würzburg, dann alle deutschen Kleinstaaten; siehe Textskizze 2.