Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 5. (1903)
Die Landes-Vertheidigung - Die Aufgebote in den Erblanden bis 1809 - II. Die Aufgebote in den einzelnen Provinzen
60 In den ersten Jahren des 30jährigen Krieges nahm das Aufgebot unter dem Feld-Obristen Hans "Werner von Raitnau an den Kämpfen gegen die Graubündtner theil und erlitt 1622 am Luciensteig bedeutende Verluste. Im Jahre 1632, in welchem das Land durch die in Süd-Deutschland operierenden Schweden bedroht erschien, wurde ausser dem Aufgebot auch noch ein ständisches Land-Regiment k 1000 Mann, unter dem Obristen Schmid von Wellenstein errichtet, welches nicht verpflichtet war, ausserhalb der Grenzen des Landes zu dienen *). Jeder Mann erhielt monatlich 6 Gulden Löhnung, solange das Regiment bestehen würde. Dieses Regiment betheiligte sich 1634 an dem missglückten Ueberfall auf Wangen; Theile des Aufgebotes wurden in den folgenden Jahren wiederholt zum Schutze der bedrohten Städte am Boden-See verwendet und erst 1640 konnte ein grosser Theil desselben entlassen werden 2). Viel Verdienste um die Vertheidigung des Landes erwarb sich später (1642—1647) der Feld-Obrist Aescher8), doch hinderte auch hier die Uneinigkeit der Stände einen guten Erfolg. Da die Bevölkerung des Landes durch die fortgesetzten Kriege sehr abgenommen hatte, musste die Stärke der Auszüge bedeutend herabgesetzt werden und war für den ersten mit 1920, den zweiten bei 1300, den dritten mit 700 Mann normiert4). Das Land-Regiment zählte wie bisher 1000 Mann in 4 Compagnien. Rühmlich hielten sich die Landes-Vertheidiger 1647 hei Abwehr des schwedischen Angriffes auf Bregenz 5), doch unterlagen sie schliesslich. Gegen Ende des genannten Jahres, sowie 1648 gelang es noch dem neuen Obrist- Feldhauptmann Caspar Schoch im Vereine mit kaiserlichen Truppen einige kleine Erfolge zu erringen. Nach dem westphälischen Frieden wurde das Aufgebot, sowie das Land- Regiment ganz entlassen und blieben nur eine kleine Anzahl von Wacht- knechten gegen eine Löhnung von 12 Kreuzern täglich als Besatzung in der Bregenzer Klause. Im Jahre 1699 wurde das Aufgebotswesen einer Revision unterzogen und dahin abgeändert, dass nur ein Auszug in der Stärke von 3000 Mann aufgestellt werden sollte, in welchen nur auserlesene, vollkommen taugliche Mannschaft einzutheilen war. Alle übrigen waffenfähigen Leute hatten den Landsturm zu bilden. In den ersten Jahren des bayerischen Erbfolgekrieges wurden mehrmals sowohl der Auszug, als der Landsturm vorübergebend zur Sicherung der Grenzen einberufen, gelangten jedoch, mit Ausnahme einer kleinen Abtheilung, welche sich an der Einnahme der Ehrenberger Klause betheiligte, zu keiner directen Verwendung und beschränkten sich die Anstalten zur Landes-Ver- theidigung, welche in Abwesenheit des Obrist-Feldhauptmannes Rost der Landvogt von Schwaben Graf Königsegg leitete, auf die Instandsetzung der alten und Anlage einiger neuer Verschanzungen. Im polnischen Erbfolgekrieg beschränkte sich die Thätigkeit der Landes- Vertheidiger auf die Entsendung von 400 Mann nach Constanz, zur Verstärkung der dortigen Besatzung 6). *) Bezüglich des Ausschusses erscheint keine solche Beschränkung erwähnt, doch wurde auch dieses Regiment trotz Einspruches der Stände 16Í33 bei dem Zuge gegen Kempten verwendet. 2) Nur je 30 Mann versahen den Wachtdienst auf den verschiedenen wichtigsten Grenzposten. 3) Nach dem 1639 erfolgten Tode des Obristen Schmid bekleidete vorübergehend Obrist Loy diese Charge. 4) Von der Bildung des Landsturmes wurde vorübergehend ganz abgesehen. 5) Hiebei zeichneten sich Obristlieutenant Singer des Land-Regiments und der Anführer der Dornbirner, Rhomberg aus. (Merkle, III. Band, Seite 802.) 6) Die Verpflichtung hiezu beruhte auf älteren Verträgen und war dies auch schon 1633 und 1637 erfolgt. Ursprünglich hatte der Kaiser 1733 verlangt, dass der ganze Vorarlberger Ausschuss zur Deckung des Breisgau nach Ereiburg rücken solle, welchem Verlangen sich die Stände jedoch widersetzten.