Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 5. (1903)

Die Landes-Vertheidigung - Die Aufgebote in den Erblanden bis 1809 - II. Die Aufgebote in den einzelnen Provinzen

57 kaiserlichen Generalen geleitet war, und die angestammte Treue an das Haus Habsburg das Hauptmotiv derselben bildete, nicht ganz übergangen werden. Nachdem durch Andreas Hofer, den Sandwirt in Passeyer, welcher mit einigen patriotischen Männern1) schon Ende 1808 mit Erzherzog Johann und durch diesen mit der kaiserlichen Regierung in Fühlung getreten war, die Vorbereitungen zur Erhebung der Tyroler getroffen worden waren, er- liess ersterer am 9. April 1809 die offene Ordre an die Bevölkerung Tyrols, zu seiner Befreiung von der bayerischen Herrschaft die Waffen zu ergreifen. Von der Bildung organisierter Schützen-Compagnien wurde vorläufig zum grossen Theile abgesehen und waren es zumeist nur mehr oder minder geordnete Scharen des Landsturmes unter beherzten Anführern, welche die Hauptmasse der Streitkräfte bildeten und bewirkte ein Theil dieser Kräfte unter der Leitung des Majors Teimer und des Bauern Joseph Speckbacher aus Binn in kurzer Zeit die erste Bäumung von Innsbruck, sowie des ganzen Unter-Inn-Thales durch die Bayern 2). Mit dem Eintreffen der kaiserlichen Truppen unter FML. Chasteler, welchem Freiherr von Hormayr als Intendant beigegeben war3), der seiner­seits später eine der bedeutendsten leitenden Persönlichkeiten des Aufstandes wurde, übernahm ersterer die militärische Leitung der Landes-Defension und vei'suchte insbesondere den Landsturm militärisch in Compagnien und Batail­lone zu organisieren. Während ein Theil des letzteren Kufstein cernierte und die nördlichen Grenz-Pässe besetzt hielt, nahm ein anderer unter Hofer’s persönlicher Führung an dem Zuge Chasteler’s nach Süd-Tyrol theil. Auf die Nachricht von den Unfällen, welche die kaiserliche Haupt-Armee in Bayern getroffen hatten, wurde anfangs Mai der grösste Theil der Kräfte an der Nord-Grenze gesammelt und standen 68, theils Landesschützen-, theils Landsturm-Com­pagnien bei Seefeld und Weidring versammelt. Trotz der heldenmüthigen Vertheidigung des Strub-Passes durch die Schützen-Compagnien von Jochberg und Kitzbüchel unter den Hauptleuten Opacher und Hechenberger und an 100 Mann kaiserlicher Truppen über- gieng das Unter-Inn-Thal, sowie die Hauptstadt infolge des unglücklichen Treffens bei Wörgl wieder in die Hände der Bayern; doch gelang es den concen tri sehen Angriffen der Tyroler unter Hofer, der nunmehr an 22.000 Mann derselben versammelt hatte, nach dem Abzüge der kaiserlichen Truppen4) durch die siegreichen Kampfe am Berg lsei am 29. Mai die Bayern zum zweiten- male aus dem Lande zu verdrängen 5). Als Persönlichkeiten, welche Hofer hier und in der Folge zur Seite standen, verdienen genannt zu werden: Schützen-Major Teimer, Organisator und Commandant des Landsturmes im Ober-Inn-Thale ; der Feldpater Joachim Haspinger, welcher mit einer Schützen-Compagnie aus Villanders ausge­zogen, sowohl durch seine persönliche Tapferkeit, als fanatische Begeisterung voranleuchtete; der Bauer Josef Speckbacher aus Binn (oberhalb Innsbruck), welcher mit klarem, offenem Bliche sich als tüchtiger Führer bewährte. Die nun folgende Zeit bis zum Waffenstillstände von Znaym, während welcher sich die Thätigkeit der Landes-Vertheidiger auf Unternehmungen des kleinen Krieges beschränkte 6), wurde vornehmlich dazu benützt, die Scharen besser zu organisieren. Nachdem schon früher einzelne Defensions-Commandanten und Special- Commissäre hiezu ernannt worden waren, wurde durch ein Decret des kaiser­x) Es war dies der ehemalige kaiserliche Major Teimer, dann Peter Huber aus Brunecken und Anton Nessig aus Bozen. '-) Die Feindseligkeiten im allgemeinen waren durch die von den Pusterthalern bewirkte Einnahme der Mühlbacher Klause am 11. April eröffnet worden. 3) Als Unter-Intendanten fungierten Carl von Menz im Etsch-Tliale, Anton von ßoschmann im Inn-Thale, Philipp von Wörndle im Puster-Thale. 4) Nur ein kleines Corps war unter dem General Buol am Brenner verblieben und unterstützten Theile desselben die Angriffsbewegung der Tyroler auf Innsbruck. 5) Das vorhergegangene Treffen am 25. Mai blieb, weil mit ungenügenden Kräften unternommen, unentschieden. 6) Eine der grösseren Unternehmungen war der Entsatz von Trient, an welchem der Landsturm aus dem Etsch-Tliale sich betheiligte. Bei Abwehr eines Einfalles in die Val Sugana zeichnete sich die Schützen-Compagnie von Primiero unter Bosio aus.

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