Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 5. (1903)
Sicherheits-Truppen - Der bestandene Militär-Grenz-Cordon
705 In gleicherweise hatten die Stabs-Officiere von Zeit zu Zeit Bereisungen vorzunehmen. Die Cordons- und Compagnie-Commandanten hatten in disciplinärer Hinsicht die gleichen Hechte wie die Commandanten detachierter Bataillone *) und Compagnien. Heirathsbewilligungen sollten an die Mannschaft nur in beschränkter Zahl ertheilt werden und sollten Leute, die sich an einem Orte verheirathen, sofort in einen anderen versetzt werden, damit dieselben nicht etwa in dem Dienste nachtheilige Verbindungen verfallen. In Bezug auf Gerichtsbai’keit unterstanden die Cordons den General- Commanden. Von den Walfen durfte die Cordons-Mannschaft nur im äussersten Noth- falle Gebrauch machen, das ist wenn sie selbst von Schwärze™, Deserteuren, Flüchtlingen oder sonstigen Verbrechern angefallen und zur Selbsterhaltung hiezu in die Noth wendigkeit versetzt würde2). Der auf diese Weise organisierte Cordon war nunmehr wie folgt gegliedert3): Böhmen: 6 Compagnien unter einem Stabs-Officier, dem noch zwei solche zur Inspicierung der Compagnien beigegeben waren4) — mit einem Stande von 3113 Mann; Nieder - O esterreich: 2 Compagnien unter einem Hauptmann — 343 Mann; Ober - Oesterreich: 5 Compagnien unter einem Stabs-Officier — 1161 Mann; Salzburg: 1 Compagnie — 135 Mann (später 3 Compagnien); IVest-Galizien: 8 Compagnien unter einem Stabs-Officier — 2774 Mann; Ost-Galizien: 8 Compagnien unter einem Stabs-Officier — 2742 Mann; Inner-Oesterreich (Krain, Friaul und das Litorale): 6 Compagnien unter einem Stabs-Officier — 1543 Mann; Steyermark: 5 Compagnien unter einem Stabs-Officier — 775 Mann; Kärnthen: 3 Compagnien unter einem Hauptmann — 786 Mann. Es betrug sohin der Gesammt-Stand des Grenz-Cordons 14.537 Mann5) und wurde diese grosse Standesvemiehrung dadurch erzielt, dass die bestandenen Gamisons-Eegimenter aufgelöst wurden, nur vier Garnisons-Bataillone bestehen blieben und die übrige zum Dienste beim Cordon taugliche Mannschaft dahin abgegeben wurde. In der Folge traten, theils noch 1808, theils 1809 Aenderungen in der Organisation insoweit ein, dass der Salzburger Cordon, sowie jene der übrigen Alpenländer, Ober-Oesterreich ausgenommen, als: „Innerösterreichischer Grenz-Cordon” vereinigt wurden, und dass der Cordon in Galizien, wegen zu grosser Ausdehnung desselben, in vier Abtheilungen formiert wurde6;, von welchen drei einen Stand von vier, die vierte einen solchen von fünf Compagnien anzunehmen hatte; jede Abtheilung wrar von einem Stabs-Officier befehligt. Endlich wurden 1829 der kärnthnerische und der steyermärkische Cordon mit dem innerösterreichischen vereinigt, welcher nun einen Stand von zehn Compagnien annahm7). In Bezug auf Adjustierung wurde für Officiere und Mannschaft der weisse Eock mit schwarzem Kragen und Aufschlägen, dann gelben !) Im Jahre 1808 wurde ausdrücklich erinnert, dass der Gordon in den einzelnen Ländern nur in Compagnien abgetheilt sei, aber kein eigenes ,,Bataillon” bilde, daher die Bezeichnung ,,Cordons-Bataillon” unstatthaft sei. Erst von den Jahren 1819—1820 an erscheint überhaupt bei den einzelnen Cordons ein Stab, bestehend aus Adjutant, Rechnungsführer und Arzt ausgewiesen. (Anfänglich wurden die Dienste der beiden ersteren durch einen Feldwebel, beziehungsweise Ober-Fourier versehen.) 2) Auf Schwärzer, welche die Contrebande-Waren wegwarfen und entliefen, durfte nicht gefeuert werden. 3) K. A., H. K. R. 1808, D. 5, 23/66. 4) Der Rayon des einen dieser Stabs-Officiere umfasste das Gebiet längst der Grenze von Ober-Oestßrreich bis an die Elbe mit dem Standorte Eger, der des zweiten jenes von der Elbe bis an die Grenzen Mährens, mit dem Standorte Jicin. 5) Siehe auch Anhang Nr. 86. 6) Ein Theil der Compagnien in Galizien sollte aus Halb-Invaliden der ungarischen Regimenter formiert werden. 7) Siehe auch die nachfolgende Geschichte der einzelnen Cordons-Abtheilungen. 45 45 Geschichte der k. und k. Wehrmacht. V. Bd.