Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 5. (1903)

Die Landes-Vertheidigung - Die Aufgebote in den Erblanden bis 1809 - II. Die Aufgebote in den einzelnen Provinzen

44 dem Burggrafenamte und dem Vitschgau bei Brixen und an anderen Punkten und rückten unter Führung des Major Grafen Brandis, der Hauptleute Anton Cazzan, Ignaz von Troyer, Freiherr von Flugi, Mirdinger u. a. gegen den Brenner, wo sie nicht nur dem weiteren Vordringen der Bayern energi­schen Widerstand entgegensetzten und dieselben in ihren Verschanzungen festhielten, sondern auch ihrerseits seihst zum Angriffe Übergiengen') und den Gegnern bedeutende Verluste beibrachten. Mittlerweile hatte sich im Ober-Inn-Thale der Landsturm gesammelt und unter Führung des Pflegers Martin Sterzinger aus Landeck den Bayei-n an der Ponilatz-Brücke eine empfindliche Niederlage beigebracht: später aber unter das Commando des kaiserlichen Obristwachtmeister Heindl gestellt, nahmen Abtheilungen dieses auf 4000 Mann angewachsenen Land­sturmes an den Kämpfen bei Ehrenberg, -am schwarzen Kreuz (Zirl) u. a. theil. Ebenso thatkräftig zeigte sich der Landsturm des Unter-Inn-Thales, welcher unter Führung des Freiherrn von Mohr, Jakob Bartl, Martin Has er u. a., über 2000 Mann stark die Bayern aus Kattenberg und Hall ver­trieb: Nachdem diese infolge der geschilderten Unfälle das Land geräumt hatten, betheiligte sich der Landsturm des Unter-Inn-Thales an dem Ein- falle der kaiserlichen Truppen in Bayern, sowie an der Cernierung von Kufstein. Als endlich auch der französische General Ven do me in Süd-Tyrol ein­fiel, wurde auch dort der Widerstand organisiert. Nachdem schon im Juli Abtheilungen des 4. Miliz-Regiments (circa 1500 Mann), sowie Schützen und Landsturmmänner (an 3000 Mann) im Corps des kaiserlichen Generals Vau- bonne an der Vertheidigung der Grenz-Pässe und in den nachgefolgten Ge­fechten bei Nago, am Monte Baldo u. a. mitgewirkt hatten, nahmen die Landes-Vertheidiger aus dem Etsch-Lande und Burggrafenamte unter Brandis und Flugi an der von GFWM. Solari mit grosser Umsicht und Energie geleiteten Vertheidigung von Trient theil2). Gleichzeitig sammelte Baron Cazzan die Schützen, sowie auch Theile des Landsturmes aus dem Etsch- Lande bei Molveno und wirkte durch zweckentsprechende Dispositionen und Festhaltung einer französischen Neben-Colonne (Gefecht bei Eanzo) indirecte bei dieser vertheidigung mit. Nach Aufhebung der Belagerung von Trient betheiligten sich die Landes-Vertheidiger unter Brandis, dem sich auch solche aus dem Eisack- Thale angeschlossen hatten, an der Verfolgung der Franzosen durch die Judi- carien bis in das Ledro-Thal. (Gefechte bei Vesio, Prabiauo u. a.) Mit 25. September wurden alle Aufgebote und Milizen entlassen. Gegen Ende des Jahres 1703 wurde auch, jedoch ausschliesslich zu Zwecken der Grenzbewachung und zum Garnisonsdienste in den festen Plätzen, mithin nicht directe zur Landes-Vertheidigung, eine ständige, mili­tärisch organisierte Truppe, das „regulierte Tyrol er Land-Bataillon” aufgestellts). Dasselbe war vier Compagnien ä 150 Mann stark, die Mannschaft wurde alljährlich gemustert und musste zur Fahne schwören. Je nach den verschiedenen Garnisonen, in welchen die einzelnen Abthei­lungen verwendet wurden4), erhielten auch Offieiere und Mannschaft ver­schiedene Service- und Sold-Gebühren, welche von der Hofkammer bestritten wurden. x) An diesem Angriffe hatten sich auch Zuzüge und Schützen aus dem Puster-, Eisack- und Sarn-Thale, ebenso 500 Knappen aus Gossensass und Schönberg betheiiigt; endlich auch Abtheilungen des 2. Miliz-Regiments. 2) Bei einem während der Vorrückung der französichen Haupt-Colonne auf Trient im Etsch-Thale vorgefallenen Gefechte bei Ravazzone zeichneten sich auch die beiden Roveredaner Schloss-Compagnien, die schon früher unter Vaubonne am Monte Baldo gestanden, unter dem Schloss-Hauptmann Santo Boffasi aus ; auch nahmen Theile des Landsturmes aus dem Läger-Thale an demselben theil. In Roveredo wurde auch auf Be­treiben des Grafen Castelbarco eine eigene Freiwilligen - Abtheilung von nahezu 1000 Mann aus Edelleuten und Bürgern gebildet. (,,Feldzüge des Prinzen Eugen von Savoyen”, V. Band, Seite 186.) 3) Den Stamm bildeten einige aufgestellt gewesene Schützen Compagnien. 4) Abtheilungen lagen in Kufstein, Rottenberg, der Scharnitz, am Luetasch und am Strub-Pass, sowie in der Ehrenberger Klause, endlich an einigen Punkten der Welschen Confinen, später jedoch der grössere Theil in Innsbruck.

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