Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 5. (1903)

Die Landes-Vertheidigung - Die Aufgebote in den Erblanden bis 1809 - II. Die Aufgebote in den einzelnen Provinzen

34 Die Zahl der einrollierten Bauernschaft betrug gegen 1200 bis 1500 Mann und sollten kräftige und junge Leute hiezu genommen werden. Die Verpfle­gung dieser Miliz oblag den Herrschaften und wurde diesen aus Contributions- geldem refundiert, die Officiere derselben dienten jedoch unbesoldet. Diese Miliz hatte infolge der fortgesetzten Uebung in den Waffen einen bedeutend höheren Wert, als die meisten anderen derartigen Institutionen und wurde sowohl zur Aufrechterhaltung der Ordnung im Inneren, als auch wiederholt zur Vertheidigung der Küsten-G-ebiete mit Erfolg verwendet, ins­besondere in den im 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts geführten Kriegen mit der Republik Venedig 1), wo selbe neben geworbenen und Hilfs- Truppen zur Verwendung kam. Auch noch im spanischen Erbfolgekrieg war dieselbe mehrmals ver­sammelt worden, ohne jedoch activ in Verwendung zu treten, da nur 1702 eine kurze Beschiessung der Stadt durch die französische Előtte stattfand 2). Ebenso wurden 1703—1704, anlässlich erneuerter Anwesenheit eines französischen Geschwaders, Vertheidigungs-Massregeln getroffen, wobei auch auf Mitwirkung von circa 300 Mann der Görzer Cemide, 400 Mami von Schwarzenegg, Castelnuovo und S. Servolo, eventuell auf Mithilfe der Istrianer (Mitterburger)Miliz gerechnet wurde s). In der Eolgezeit gerieth diese Institution jedoch auch hier theilweise in Verfall, so dass während des polnischen Erbfolgekrieges eine Reorganisation beantragt war, wobei die Miliz mit jener des istrianisch-quarnerischen Küsten­landes in engere Verbindung gebracht werden sollte, was jedoch nicht erfolgte. Zur Zeit des österreichischen Erbfolgekrieges entwarf der umsichtige und thätige Stadt-Hauptmann von Triest, Siegfried Graf Herberstein, welcher zugleich die politische Verwaltung des ganzen Gebietes leitete, 1742 den Plan zu einer Küsten-Vertheidigung, wobei er grosses Gewicht auf die Errichtung einer kleinen selbständigen Flottille auf der Adria setzte, deren Schiffe als Küstenfahrzeuge verwendet und mit den erst kürzlich entlassenen Soldaten der bestandenen Marine bemannt werden sollten; ebenso auf die Anlage von Fortificationen *). Auch wurde, da die Triester Miliz damals nur circa 500 Mann zählte, deren Reorganisation als nothwendig erklärt, dann die Mitwirkung der küsten­ländischen Cernide in Anspruch genommen, sowie eine Verstärkung durch kaiserliche (Grenz-)Truppen erbeten. Factisch brachten die Triestiner auch freiwillig einige kleine Fahrzeuge (Galeotten) auf, welche, sowie drei von dem ehemaligen Marine-Comman- danten FM. Pallavicini beigestellte Trabakel, sich mit der in der Adria, kreuzenden englischen Flotte vereinigten 5). Nachdem die spätere Kriegslage jedoch weitere Vorkehrungen in dieser Richtung überflüssig machte, so wurde auch jede diesfällige Thätigkeit wieder eingestellt. Gute Dienste leistete die Triestiner Miliz auch 1797 anlässlich der Be­setzung dieses Gebietes durch die Franzosen6), wo Abtheilungen derselben *) Friauler Krieg 1614—1617 u. a. 2j Löwenthal erwähnt in seiner Geschichte der Stadt Triest, gestützt auf einen Bericht des französischen Admirals Forbin, welcher die feindliche Flotte befehligte, dass die in der Eile zur Vertheidigung der Stadt versammelte Miliz geflohen sei, so dass bei einem etwaigen Landungs-Versuche keinerlei Widerstand zu erwarten gewesen sei. 3) K. A., F. A. Italien 1708, IV, 20; 1704, XIII, 17. 4) Einige zum Schutze der Küste im polnischen Erbfolgekriege erbaute Schanzen und Batterien waren ganz verfallen. 5) Wal ln er, ,,Krain und das Küstenland zu Beginn des österreichischen Erbfolge­krieges”. 6) Schon 1796 war die Miliz mit einem Stande von über 1500 Mann mobilisiert worden. Ausserdem war ein aus Bürgern, Handwerkern u. s. w. der Stadt Triest zu bildendes Freiwilligen-Corps unter dem Käthe Peribondi in der Errichtung (400 Mann), welches sich angetragen hatte, bei nicht zureichender Garnison die Wachen in der Stadt und auch Nacht-Patrouillen mit dem Militär zu versehen, infolge Competenz-Streitigkeiten mit dem Magistrate wurde jedoch die weitere Formierung dieses Corps sistiert, dagegen die Bürger-Miliz vermehrt und in 11 Compagnien organisiert.

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