Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 5. (1903)

Die Landes-Vertheidigung - Landes-Vertheidigungs-Institutionen in den ehemaligen österreichischen Nebenländern

Die österreichischen Niederlande. In diesen nach dem Bastatter Frieden 1713 an den Kaiser als Be­herrscher der deutsch-habsburgischen Lande gekommenen Provinzen bestanden keinerlei Anstalten zur Landes-Vertheidigung. Als 1741 an die dortigen Stände die Aufforderung ergieng, eine Land- Miliz in der Stärke von 2 bis 4000 Mann aufzustellen, zogen dieselben es vor, durch Errichtung von zwei neuen Wallonen-Begimentern zur Verstärkung der kaiserlichen Kriegsmacht, beziehungsweise zur Sicherung der Provinz bei­zutragen '). Die italienischen Besitzungen. In dem gleichfalls im spanischen Erbfolgekriege unter Oesterreichs Scepter gekommenen Herzogthume Mailand bestand auch in älteren Zeiten eine Art Miliz, welche sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in die „militia urbana” (Stadt-Miliz) und die „militia foreuse” (Land-Miliz) theilte und deren jede circa 5000 Mann stark war. Aehnliche Institutionen bestanden auch im Mantuanischen und den Herzogtümern Parma und Piacenza. Zur Zeit,, als diese Provinzen mit Oesterreich vereinigt wurden, waren diese Einrichtungen so ziemlich iu Verfall gerathen. Das sogenannte Mailänder-Bataillon Colmenero, später Visconti* 2), welches die Besatzung des Castells von Mailand bildete, dürfte als ein Best der militia urbana angesehen werden können. Während des österreichischen Erbfolgekrieges wurde letztere zwar wieder aufgerichtet 3), ebenso die „Cerniden” in Mantua, und wurde noch 1744 der Auftrag auf Vermehrung derselben erlassen; genauere Daten über deren Institutionen und eventuelle Thätigkeit fehlen jedoch. Im Jahre 1800 wurde die Bewilligung ertheilt, die Mantuaner Land- Miliz in einer Stärke von 400 Mann als Aushilfe für den anstrengenden Garnisonsdienst wieder aufzustellen. Ebenso hatten sich in der Bomagna, dem Gebiete von Ferrara und Um­gebung, theils Freiwillige gesammelt (1200 Mann), theils wurde eine Art Land­sturm aufgeboten (bei 0000 Mann), welche bereit waren, sich den kaiserlichen Truppen anzuschliessen, wenn sie mit Gewehren versehen würden. Da man jedoch in die Tüchtigkeit und Verlässlichkeit dieser Leute wenig Vertrauen setzte, so ergieng der Auftrag, diese Landes-Armierung rückgängig zu machen und die Leute unter einem schicklichen Vorwände zu entlassen 4). J) Bei der Vereinigung dieser Gebiete mit Oesterreich wurden 8 National-Regimenter zu Fuss und B solche zu Pferd in kaiserlichen Dienst übernommen. 1725 wurden dieselben reorganisiert und daraus 3 Infanterie- und 1 Dragoner-Regiment auf regulärem deutschem Fusse formiert. Diese Regimenter (die jetzigen Infanterie-Regimenter Nr. 9. 30 und das 1809 reducierte Regiment Nr. 38, dann das Dragoner-Regiment Nr. 14) erhielten bis zur Abtretung dieser Provinzen 1797 (beziehungsweise Räumung derselben 1794) ihre ständige Ergänzung aus den Niederlanden, lagen auch doitorts in Garnison und bildeten sohin einen Theil der für die Vertheidigung derselben erforderlichen Miliz. Dieselben führten den Namen: ,,Wnllonen-Regimenter”.- Siehe II. Band, Seite 568. 3) Sie bestand damals ans 5 Bataillonen in der Stärke von circa 450 bis 480 Mann, welche nach den Stadtthoren von Mailand benannt wurden. Commandant der Miliz war General-Intendant della Riviera, (K. A., F. A. 1743. 11, 1 c.) 4) E. A., F. A. Italien 1800, VII, 126 und IX, 322.

Next

/
Thumbnails
Contents