Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 1. (Dritte Folge, 1902)

Hauptmann Sommeregger: Ereignisse in den Legationen und Marken in Italien in den Jahren 1848 und 1849

180 Sommeregger. Boyneburg-Dragoner Nr. 4 und 4 Geschützen unter Commando des Majors Grafen Hoyos besetzt; die dort befindlichen feind­lichen Truppen zogen sich schleunigst theils gegen Ravenna, theils gegen Bologna zurück. Auf dieser Strasse war ihnen aber die Colonne des Obersten Gerstner zuvorgekommen; dieser nahm ihre Arriére- garde, aus 2 Officieren und 148 Mann bestehend, gefangen; hiebei fielen auch eine Fahne, viele Waffen und Munition, welche die feindliche Nachhut mit sich führte, in die Hände der Oesterreicher. Nachdem die unbedingte Unterwerfung der Stadt Ferrara gesichert war und vier päpstliche Grenadier-Compagnien unter dem Obersten Marescotti, welche bereits in Treviso capi- tulierten, zur Aufrechthaltung der Ordnung und Ruhe in Ferrara zurückgeblieben, wurde das Haupt-Quartier am 4. nachBondeno, am 5. nach Cento verlegt. Die Truppen der Brigade Susan hatten sich am 5. August, als gleichzeitig Liechtenstein bei Ostiglia den Po übersetzte, bis auf eine Stunde Entfernung nördlich und westlich von Bologna gezogen. Die Stadt war schon am 4. gesperrt; am 6. wurden an der Porta Galliera vier Geschütze aufgeführt. Trotz vieler beschwichtigender Proclamationen, die in der Stadt an­geschlagen wurden, konnte die einreissende Anarchie nicht gehindert werden. Gegen Abend des 6. rückten die österreichischen Colonnen bis auf Kanonenschussweite vor die Stadt, nur die Ausgänge gegen Forli und die Strasse gegen Florenz ab­sichtlich offen lassend. Die Bevölkerung des von den Truppen besetzten Landes hatte unterdessen durch die allgemeine Unterwerfung wirklich Proben des besten Willens zur Erhaltung der Ruhe und Ordnung gegeben, so dass sich FML. Baron Weiden be­wogen fand, in mehreren Städten einen Tlieil der guardia civica bewaffnet zu lassen und zum inneren Dienste zu verwenden, um dadurch seine Truppen nicht noch mehr zu ermüden. In der Nacht vom 6. auf den 7. wurde auf den Höhen von S. Michele eine Haubitz-Batterie errichtet, eine andere

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