Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 3/2. (1901)

Aufgelöste Truppenkörper zu Pferd - XI. Stabs-Truppen

— 937 ­Die erste Formierung eigener Stabs-Truppen für den Dienst bei den Hauptquartieren der im Felde operierenden Armee fand im siebenjährigen Kriege statt1); die hiezu verwendeten Truppen bestanden theils aus Infanterie, theils aus Cavallerie und führten die aus Reiterei gebildeten beinahe aus­nahmslos den Namen „Stabs-Dragoner”. Ihr hauptsächlichster Dienst bestand in der Bedeckung des Haupt- quartieres und der Bagage, Beistellung der Generals-Wachen, Escortierung kleinerer Transporte, Versehung des Ordonnanzdienstes u. s. w. Diese Abtheilungen wurden je nach Bedarf in der Stärke von Escadronen, Divisionen oder Regimentern aufgestellt und richtete sich deren Zahl oder Stärke nach jener der Kriegs-Schauplätze, beziehungsweise selbstständig operierenden Armeen. Bei der Errichtung wurden die Officiere zumeist dem Stande der Cavallerie-Regimenter, die Mannschaft jenem der Halb-Invaliden entnommen1 2). Nach dem Organisations-Statut für die k. k. Armee vom Jahre 1857 hatten die Stabs-Dragoner den Dienst bei den Armee- (Corps-) Haupt­quartieren, den Ordonnanzdienst bei der Generalität, den Officieren des Ädjutanten-Corps und General-Quartiermeister-Stab es u. s. w., dann bei den Divisions- und Brigade-Stäben zu versehen. Sie waren grundsätzlich in Escadronen zu formieren, doch konnten zwei derselben auch in eine Division vereinigt werden. Für jedes mobilisierte Armee-Corps war eine halbe Escadron zu be­stimmen, von welcher 1 Officier, 1 Corporal, 1 Trompeter, 30 Gemeine beim Hauptquartier des betreffenden Corps, der Rest beim Armee-Hauptquartier einzutheilen waren3 4). Zu der Errichtung der Stabs-Dragoner-Escadronen hatten alle Cavallerie- Regimenter eine entsprechende Anzahl vollkommen verlässlicher und vertrauter Mannschaft und Pferde abzugeben. Erstere war mit dem Cavallerie-Säbel und einer gezogenen Kapsel-Pistole bewaffnet. Im Feldzuge 1866 wurden keine eigenen Stabs-Dragoner (Stabs-Truppen überhaupt) mehr aufgestellt, sondern dieser Dienst bei den Hauptquartieren der Nord- und Süd-Armee, beziehungsweise den einzelnen Corps, durch eigens hiezu bestimmte Abtheilungen (Züge) der laut Ordre de bataille in den Verband dieser Armee (Corps) gehörenden Cavallerie-Regimenter versehen. Im Jahie 1869 wurden die im Kriegsfälle aufzustellenden Reserve- Escadronen der Cavallerie-Regimenter für diesen Dienst designiert; im Jahre 1880 jedoch angeordnet, dass bei jedem Regimente im Mobilisierungsfalle durch den Ergänzungs-Cadre 2 Züge „Stabs-Cavallerie” aufzustellen seien, was 1890 in der Weise abgeändert wurde, dass ein Zug vom Regiments-Stabe, der zweite vom Ergänzungs-Cadre aufzustellen sei. Nach den neuesten Vorschriften bleiben die Bestimmungen bezüglich der Aufstellung von Stabs-Truppen der Mobilisierungs-Instruction Vorbehalten. 1) Wie auch im II. Bande erwähnt, bestanden wohl schon im 30jährigen Kriege, jedoch mehr zum persönlichen Schutze des Höchst-Commandierenden, sogenannte „Leib- garde - Compagnien” ; da dieselben aber in erster Linie für den Dienst im Felde bestimmt waren, so wurden dieselben in den Abschnitt ,,Irei- oder einschichtige Compagnien” auf­genommen. (Siehe Seite 813 und ff.) 2) In einzelnen Fällen auch aus Re ernten, oder minder berittener Mannschaft der Cavallerie-Regimenter formiert. 3) Die Stärke einer Escadron war mit 205 Mann, darunter 1.74 Gemeine, normiert. In den Stand derselben gehörten auch die bei den Armee-Commanden eingetheilten Stabs- Hornisten. 4) Die Stärke des von einem Ober-Officier zu commandierenden Zugs war mit 40 Mann normiert.

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