Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 3/1. (1901)

Die Cavallerie - Die Organisation der einzelnen Reiter-Gattungen

— 51 — Die Regiments-Stäbe, sowie die Unter-Abtlieilungen waren in der gleichen Weise zusammengesetzt, wie es für die Cürassiere oder überhaupt für die regulären Reiter-Regimenter im kaiserlichen Heere im Allgemeinen vorgeschrieben war ‘). Das älteste Arquebusier Regiment der Armee war das 1617 errichtete Arquebusier-Regiment Dampierre, welches 1624 mit dem Cürassier-Regimente Strozzi (heute Dragoner Nr. 8) vereinigt wurde. Die Zahl derselben war in den späteren Jahren eine vielfach wechselnde; seit 1639 wurden Bestallungen auf Arquebusiere nur noch in ganz verein­zelten Fällen ausgestellt, die damals noch bestandenen successive aufgelöst, einzelne derselben in Cürassiere umgewandelt und verschwindet der Name Arquebusiere gegen Ende des Krieges gänzlich aus den Listen des kaiser­lichen Heeres. Die Arquebusiere zählten auch zur schweren Reiterei* 2) und waren be­stimmt, ausser dem Kampfe mit der blanken Waffe, auch das Feuergefecht zu Pferde zu führen. Sie waren mit Helm, Rücken- und Krebs-Harnisch, Panzer-Aermeln, dann Handschuhen gerüstet, mit Degen, Pistolen und einem am Bandouliere getragenen Gewehre (mitunter auch ,,Petrinal” genannt) bewaffnet. Das letztere war etwas kürzer als jenes des Fussvolkes (ca. 2‘/s—3' lang), jedoch von stärkerem Caliber. 3. Dragoner-Regimenter. 1(518 — 1649. Nachdem schon in den ersten Jahren des 30jährigen Krieges vorüber­gehend einige Dragoner-Regimenter bestanden hatten, erscheint zur Zeit des zweiten Generalates Waldstein’s in den Jahren 1631—1634 eine grössere An­zahl Dragoner-Regimenter, allerdings meist mit einem sehr schwachen Stande (vielfach blos einzelne Compagnien) aufgestellt, von denen auch einige durch längere Zeit stehen blieben und auf den später auch für diese Reiter-Gattung bestimmten Fuss von 1000 Mann gesetzt werden sollten3 4 5). Die innere Organisation eines Dragoner-Regiments war im Allgemeinen gleich der eines Cürassier- oder Arquebusier-Regiments. Der Compagnie-Commandant führte jedoch, da die Dragoner ursprüng­lich nur eine Art berittener Infanterie waren und wie erwähnt auch vielfach zum Fussvolk gerechnet wurden, nicht die Benennung Rittmeister, sondern wurde wie bei der Infanterie Hauptmann benannt, auch hatten die Com­pagnien keine Trompeter, sondern Tamboure im Stande; ebenso war nicht die Benennung Cornet, sondern Fähnrich üblichj). Die Dragoner waren mit Rücksicht auf ihre Hauptbestimmung, Führung des Feuergefechts zu Fuss, nur mit der Muskete und anfänglich auch mit der Pike bewaffnet6). 1650-1705. Anlässlich der bereits mehrfach berührten Armee-Reduction in den Jahren 1649/50 wurden alle bestandenen Dragoner-Regimenter bis auf eines, das Regiment La Corona (gegenwärtig Fürst Liechtenstein Nr. 10), aufgelöst. J) Siehe Seite 11. 2) In den meisten zeitgenössischen Werken werden die Arquebusiere als zur leichten Reiterei gehörig bezeichnet, was auf andere Armeen, aber nicht auf die kaiserliche zutreffend ist. Dass dieselben bei uns zur schweren gerechnet wurden, erhellt aus einer Bestallung aus dem Jahre 1622, in welcher es ausdrücklich heisst: „Dass den Ciirassieren der Rang vor den „armierten Arquebusieren’’, diesen hinwieder vor den leichten Pferden und Croaten gebühre”. (K. A„ Bestallungen 1622, 1073.) :5) Wie bei den übrigen jedoch in den seltensten Fällen erreicht und hatten die 1648 noch bestandenen Regimenter nur einen Stand von 7—8, eines sogar nur einen solchen von 3 Compagnien. 4) Auch fehlte der bei den Cürassieren vorkommende Plättner (Cürass-Schmied), sowie der Regiments-Pauker. 5) Am Sattelknopfe war bei denselben eine kleine Axt angehängt; mitunter waren selbe auch mit Schaufeln und Hauen ausgerüstet. 4*

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