Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 3/1. (1901)
Die Cavallerie - Die innere Organisation der kaiserlichen Reiter-Regimenter im Allgemeinen
- 32 — Endlich wurde bei jeder Escadron, sowohl der schweren, als leichten Regimenter, ein Escadrons-Riemer normiert, dagegen entfielen die bisher nur bei ersteren im Stande geführten Sattler. Im Jahre 1853 wurde die Charge der Rittmeister 2. Classe vorübergehend ganz ab geschafft, Officiersdiener und Fahrsoldaten (letztere nur für den Kriegsfall) wie bei der Infanterie normiert. Die früher erwähnten Depöt-Escadronen wurden 1854 wieder in einfache Depots umgewandelt1), welche im Frieden mit dem Kegiments-Stabe örtlich vereint, im Kriege aber im Bücken der Armee aufgestellt werden sollten, um den erforderlichen Nachschub an Mann und Pferd für die stete Ergänzung des Feld-Regiments leisten zu können. Diesen Abtheilungen oblag nunmehr die Evidenthaltung des gesammten Urlauber- und Reserve-Standes, die Verwaltung der Augmentations-Magazine und die Besorgung der Proviantgeschäfte beim Regiments-Stabe, endlich eventuell die Verpflegung und Abrichtung jener Mannschaft und Remonten, die vom Regiments-Commando demselben in Zutheilung gegeben wurden. Im Kiiege hatte das Depot die Einberufung, Ausrüstung und Absendung der Reserve-Mannschaft, sowie der Urlauber zu den Feld-Escadronen, dann die Abrichtnng der zurückbleibenden Recruten und Remonten zu besorgen. Nach dem Organisations - Statute für die k. k. Armee vom Jahre 1857 blieb die Zahl der Regimenter, sowie der Unter-Abtheilungen eines Regiments, dessgleichen der Friedens- und Kriegs-Stand unverändert (letzterer wie 1852 normiert, für Krieg und Frieden gleich)l 2). Alle Regimenter hatten grundsätzlich ausserhalb des Bereiches jener Provinz, aus welcher sie ihre Recruten bezogen, disloeiert zu sein. Die Abrichtung der Recruten und Remonten hatte im Frieden bei den Feld-Escadronen zu erfolgen. Jede Escadron hatte nunmehr wieder einen Rittmeister 1. und einen solchen 2. Classe im Stande; die Zahl der Corporale wurde auf 8 herabgesetzt, dagegen 4 Zugsführer creiert; 15 (18) Gemeine per Escadron waren unberitten. Für den Kriegsfall wurde beijedem Regimente ein P roviant-Off icier normiert, ebenso erscheinen die Fahrsoldaten beim Stabe ausgewiesen. An Aerzten waren 1 Regiments-, 1 Ober-, 2 Oberwund-Aerzte und 3 (4) Unter- Aerzte normiert; jedem Chef-Arzte einer Division wird seither ein berittener Soldat als Bandagenträger zugewiesen. Das thierärztliche Personale bestand aus 1 Ober-Thierarzte (früher Ober-Schmied), 2 Thierärzten und 2 Unter- Thierärzten: die Escadrons-Schmiede erhielten die Benennung Hufschmied. Um die Zahl der Reiterei im Kriegsfälle noch zu vermehren, wurde durch das erwähnte Statut angeordnet, dass ausser den durch Anwerbung von Freiwilligen aufzustellenden leichten Reiter-Divisionen, noch bei den bestandenen Grenz-Infanterie-Regimentern theils berittene Serezaner-Divi- sionen, theils leichte Reiter-Divisionen als irreguläre Cavallerio aufzustellen seien3). Die theils noch im Laufe des Jahres 1848, theils von 1849 an successive für die Armee im Allgemeinen erlassenen Vorschriften als: Abschaffung des Stockes von Haselholz, Einführung der Litzen als Distinctionszeichen für Officiere und Unterofficiere, sowie später jene der Sterne u. s. w. betrafen selbstverständlich in gleicher Weise auch die Cavallerie. Weiters wurde für die Regimenter der deutschen Cavallerie der Waffenrock eingeführt (für Cürassiere und Dragoner weiss, Chevauxlegers dunkelgrün), für die Husaren statt der Pelze und Dolmans die Attila (Winter- und Sommer-), bei den Uhlanen statt der Kurtka die Uhlanka (Winter- und Sommer-). An den Helmen, welche eine verbesserte Form erhielten, wurden die Kammquasten abgeschafft, an den Csakos der Husaren, welche gleichfalls eine l) Stand 43 Mann, beziehungsweise 53 Mann bei der leichten Cavallerie.-) Im Kriege oblag jedem Regimenté gegen Auflassung des Depöt-Cadres die Aufstellung einer Depót-Escadron. 3) Siehe Seite 9, dann den Abschnitt. ,,Irreguläre Cavallerie”.