Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 3/1. (1901)
Die Cavallerie - Entwicklung der einzelnen Reiter-Gattungen im kaiserlichen Heere
— 10 Die Bestimmung der irregulären Cavallerie war, in zerstreuten Abteilungen verwendet zu werden; der kleine Krieg, das Partlieigängerwesen und der damit verbundene Vorpostendienst, die Vornahme von Becognoscierungen, Streifungen und Patrouillen bildeten die eigentlichen Obliegenheiten dieser Beiter- Gattung. Nach dem Feldzuge 1859, in welchem einzelne Divisionen aufgestellt worden waren, deren aber keine vor den Feind kam, wurde, teilweise an Stelle der irregulären Cavalier e, deren nirgends mehr Erwähnung geschieht, im Jahre 1860 die „Freiwilligen-Cavallerie” organisiert. Dieselbe hatte, jedoch auch im Frieden, aus zwei Husaren- und einem Uhlanen-Begimente zu bestehen und hatte hauptsächlich die Bestimmung, in kleineren Abteilungen den Sicherheits- und Kundschafts-Dienst rach Bedarf bei der Infanterie zu versehen, Bedeckungen beizustellen, den Ordonnanz- und Stabs-Dragonerdienst zu versehen, überhaupt als Beiter-Truppe „leichtester” Gattung verwendet zu werden. Jedoch schon 1862 wurde die Bestimmung dieser Begimenter als solche aufgehoben und dieselben in leichte Cavallerie-Begimenter umgewandelt1). Nachdem jedoch in neuerer Zeit die erhöhte Wirksamkeit der Feuerwaffen eine Verwendung der bisher in Massen auf dem Schlachtfelde aufgetretenen Cavallerie sehr beeinträchtigt und nahezu untunlich macht, so wurde es als ein militärisches Bedürfuiss anerkannt, nur eine einheitlich organisierte Cavallerie zu formieren, welche für alle Verwendungen gleich geeignet sein müsste. Man gieng hiebei von dem Principe aus, dass Schnelligkeit und Beweglichkeit ein Attribut der gesammten, nicht blos der leichten Beiterei sein müsste, wogegen anderseits letztere durch energisches und ungestümes Losgehen denselben moralischen Erfolg oder die gleiche Kraft des Stosses erzielen könne, als die schwere. Demgemäss wurde 1867 im k. k. Heere der Unterschied zwischen schwerer und leichter Cavallerie* 2) gänzlich aufgehoben und wurden bei Umwandlung sämmtlicher Ciirassier-Begimenter in Dragoner, letztere seither mit leichteren Pferden betheilt. Oesterreich besitzt daher gegenwärtig eine einheitlich organisierte, einheitlich bewaffnete und ausgerüstete Cavallerie, bei welcher die Unterscheidung nach Beiter-Gattungen mehr aus traditionellen Gründen beibehalten wurde. An solchen bestehen, da die Chevauxlegers schon 1851 aufgelassen und theils in Uhlanen, theils in Dragoner umgewandelt wurden, nur noch Dragoner, Husaren und Uhlanen. ]) Siehe auch ..Organisation der Husaren und Uhlanen”. 2) Seit 1860 zählten die Cürassiere, in welche gleichzeitig auch der grössere Theil der Dragoner-Regimenter umgewandelt wurde, allein zur schweren, alle IJebrigen (Dragoner, Husaren, Uhlanen) zur leichten Reiterei. (Die Dragoner hatten vom 1802 an zur schweren gezählt).