Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 3/1. (1901)
Die Cavallerie - Aufbringung und Ergänzung der Cavallerie
— 114 — Die ausserordentliche Tbätigkeit, welche Kaiser Joseph II. für die Armee entfaltete, musste sich natürlich auch in der Remontierung der Caval- lerie äussern. Sein Bestreben, die Armee im gegebenen Falle möglichst rasch und ohne Reibung zu mobilisieren, ist auch hier deutlich ausgesprochen1). Es ist nicht der Zweck dieses Werkes, eine Geschichte der Remontierung zu geben, aber es dürfte hier am Platze sein, in die Verhältnisse derselben etwas näher einzugehen, zumal die Neuerungen Kaiser Josephs zu dieser Zeit in dieser Hinsicht sich fast bis in die jetzige Zeit erhielten und den ITebergang zur neuen Zeit bilden. Der Bedarf an Pferden bei Ausbruch des letzten Krieges gegen Preussen war ein bedeutender gewesen, an leichten Pferden wurden in Ungarn theils durch die Comitate, theils durch die Magnaten und Lieferanten 6136, in Siebenbürgen durch Remontierung des Obersten B aranyay, durch die Stände, die Sachsen und den Lieferanten Marco 5438 Stück aufgebracht. An Pferden für schwere Cavallerie hatte der Jude Julius allein 2842 Cürassier-, 1153 Dragoner- Pferde geliefert. An Beutepferden wurden 2080 gewonnen. Mit dem Friedensschlüsse wurde begreiflicher weise eine bedeutende Anzahl des Pferdebestandes überzählig, überstieg doch der Kriegs-Stand der Cavallerie den nunmehrigen, durch ausnahmsweise unbestimmte Beurlaubung der Mannschaft, stark geminderten Stand, um 10.344 Mann. Eine grosse Anzahl der supernumerären Pferde war nach erfolgter Superarbitrierung zum Cavallerie-Dienste untauglich; diese wurden dem Fuhrwesen übergeben, welches dieselben an die Kreise in Böhmen und Inner- Oesterreich zur unentgeltlichen Vertheilung an den Landmann abgab, wobei der Kaiser besonders jene zu berücksichtigen befahl, welche während des Krieges, durch den Feind, Transport oder Vorspann, um ihre Pferde oder Zugochsen gekommen waren. Der Testierende Theil an supernumerären Pferden wurde theils für den 10 percentigen Vorrath der Friedens-Ergänzung der Cavallerie-Regimenter bestimmt, theils, mit Ausnahme bei den Regimentern in Galizien, welche alle tauglichen überzähligen Pferde bei sich behalten sollten, zur Absendung nach Ungarn bestimmt. Auf diese Weise sollten in Ungarn gegen 8000 Pferde untergebracht und verpflegt werden. Da sich aber das Land einer solche Belastung weigerte, wurde befohlen, die Pferde bei den Regimentern in Ungarn einzusteflen, ihre Wartung aber durch Commandierte der Standes-Regimenter zu besorgen. Die Schwierigkeiten, welche vor dem Kriege die Aufbringung, nun aber die Demobilisierung des Pferde-Materials gezeigt, nöthigten schon jetzt, für den nächsten Krieg andere Vorbereitungen zu treffen. In dieser Hinsicht galt es vor Allem, den Bedarf an Pferden ohne weitere Kosten soweit sicher zu stellen, dass deren Ankauf im Bedarfsfälle in genügender Anzahl und ohne Zeitverlust geschehen könne, ferner sich von den Lieferanten und dem Bezüge vom Auslände her, möglichst frei zu machen. Zur Erreichung dieses Zweckes wurden in den Jahren 1779—1781 folgende Verfügungen getroffen: Sämmtliche Landpferde wurden conscribiert und nach geschehener Conscription durch Cavallerie-Officiere und Schmiede revidiert, jedes Dominium und jede Obrigkeit hatte mit Vormerklisten über jene Pferde, welche bei Ausbruch eines Krieges von dem Lande zu stellen waren, versehen zu sein. In Ungarn hatten die Edelrichter alle für Cheveauxlegers und Husaren tauglichen Pferde zu beschreiben. *) *) Auf Befehl des Kaisers wurde sclion vor seinem Regierungsantritte, 1779 ein Mobilisierungs-Plan von den General-Commanden ausgearbeitet, welcher die Erfordernisse jedes Regiments, deren Vorbereitung im Frieden und deren sofortigen Bezug im Kriege genau feststellte : für die Einziehung der Beurlaubten, die Aushebung der Recruten, die Fassungen von Munition. Feuergewehr, Feldgerätlie, Bestimmung der Patronenzahl und deren Uebernalime, Fassung der Fuhrwerke, Verschaffung der Reit- und Zugpferde etc. Gleichzeitig wurde in jedem Generalate eine Mars ehr outen-Karte angelegt, um jede Truppe auf dem kürzesten Weg senden zu können, wozu die Regimenter in ihrer Dislocation die nöthigen Daten sammeln mussten. Ebenso mussten letztere die Beschreibungen der Ressourcen und Unter kunfts-Verhältnis so ihres Rayons liefern. Dazu kamen dann die Populationsbeschreibungen und Conscript.ionen des Pferdestandes der Länder.