Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 3/1. (1901)
Die Cavallerie - Die Chargen und ihre Obliegenheiten
95 durch die an beiden Aermeln des Waffenrocks ober dem Aufschläge angebrachte Corporals-Borte. Bezüglich der seit 1769, jedoch nur bei den .Regimentern der leichten Cavallerie beim Stabe vorkommenden Regiments-Riemer und Regiments- Schneider, welche von 1852—1862, sowie die Regiments-Sattler, bei allen Regimentern im Stande des Stabes geführt wurden1), galten die für Pro- fessionisten im Allgemeinen vorgeschriebenen Obliegenheiten. Sie sollten ihre Profession gut verstehen, mit den erforderlichen Werkzeugen versehen sein und einen ordentlichen Lebenswandel führen. Sie mussten sich für ihre Arbeit entweder mit dem von der Monturs- Oeconomie-Commission festgesetzten Lohne, oder mit der vom Regiments- Commando festgesetzten Taxe begnügen. Sie hatten wie der Corporal adjustiert zu sein und wurden so wie dieser von Höheren mit ..Er’ angesprochen. Von 1853 an hatten sie Rang und Distinction wie der Estandarte-Führer. Sanitäts-Gehilfen. Zur Unterstützung der Aerzte in ihren Verrichtungen und zur Ueberwachung der Durchführung der Anordnungen derselben, werden seit 1893 intelligente Leute des Mannschafts-Standes der Regimenter in den Garnisons-Spitälern speciell ausgebildet und den einzelnen Cavallerie-Regi- mentern successive zugewiesen, bei welchen sie sohin eine Art subaltern-ärztlichen Dienstes versehen. Sie führen die Benennung: Sanitäts-Gehilfen 1., 2. oder 3. Classe und bekleiden die Wachtmeisters-, Zugsführers- oder Corporals-Charge. Die Sanitäts-Gehilfen sind beritten, mit Pionniersäbel und Revolver bewaffnet und tragen eine Ledertasche; im Uebrigen wie die Unterofficiere des Regiments gekleidet, nur tragen sie wie die Büchsenmacher u. s. w. die Corporals-Borte an beiden Aermeln des Waffenrocks (des Attila, Uhlanka) oberhalb des Aufschlages. Die Bandagenträger. Bei jeder Division wird dem Chef-Arzt ein berittener Soldat zugewiesen, welcher jedoch auf den Stand seiner Escadron zählt. Dieselben haben das ihnen übergebene Sanitäts-Materiale fortzubringen und sich stets bei denjenigen Aerzten, welchen sie beigegeben sind, aufzuhalten. Unterofficiere des Pionnierzuges. Dieselben werden als Partieführer, im inneren Dienst der Abtheilung als Kameradschafts-Commandanten und für den Dienst des Zugsführers verwendet. Wenigstens einer derselben soll befähigt sein, dem Pionnierzugs-Com- mandanten im Schreibgeschäfte und in der Verrechnung an die Hand zu gehen. Für die Mannschaft dieses Zuges gelten die gleichen Obliegenheiten wie für die Escadrons-Pionniere. Die fallweise für den Dienst als ,,Feld-Gendarmen” evident gehaltenen Unterofficiere werden nach den organischen Bestimmungen für die Feld- Gendarmerie der k. u. k. Arme fürgewählt und ausgebildet. Dieselben verbleiben in der Regiments-Uniform und tragen als Abzeichen einen breiten, über die linke Schulter zu tragenden Bandoulier-Riemen aus Juchtenleder, welcher an der Brustseite mit einem messingenen Adler-Embleme geziert ist. Ferner ist jeder mit einer Tasche aus Leder versehen, in welcher eine Handlaterne, ein Notizbuch, dann je eine Ha.ndschliesse und eine Verbindungskette zu verwahren sind. Die nur für den Kriegsfall S3rstemisierten : Fahrsoldaten, Fleischhauer und 3 3) Die gegenwärtig bei den Regimentern vorhandenen Regiments-Schneider sind contract Lieh aufgenommene Civil-Personen, welche in keinem militärdienstlichen Verhältnisse stehen und wird ihnen nur nach Tlmnlichkeit, zur Ausübung ihrer Profession ein Locale in der Kaserne zugewiesen.