Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 3/1. (1901)

Die Cavallerie - Die Chargen und ihre Obliegenheiten

91 Er war auch wie die Offleiere (Unterlieutenants) gekleidet und trug wie diese das spanische 'Rohr. Im Jahre 1801 (1802) wurde die Benennung „Regiments-Adjutant” allgemein üblich (theilweise schon von 1769 an angewendet); derselbe erhielt nunmehr auch den Rang als Offleier und erscheint seither stets ein Subaltern- Officier, später ausschliesslich ein Oberlieutenant, für diesen Dienst bestimmt. Gegenwärtig ist der Regiments-Adjutant Organ des Regiments-Comman- danten zur Verseilung derjenigen Dienstgeschäfte, welche nicht an die Person des Commandanten gebunden sind, oder in den Ressort anderer Referenten fallen. Er muss sich durch Verschwiegenheit, unermüdlichen Fleiss, Geschäfts- kenntnis auszeichnen und sich in allen Gelegenheiten mit dem richtigen Tacte zu benehmen wissen. Der Ober-Schmied (1769 systemisiert) war der erste Ross-Arzt des Regiments. Er musste die Escadrons-Schmiede überwachen und sie unterweisen, die Krankheiten richtig zu erkennen und die Pferde mit zweckmässigen, der Gestalt und Beschaffenheit des Hufes entsprechenden Eisen zu beschlagen. Den Beschlag der Regimepts-Wagen und Eeldschmiede musste er in gutem Zustand erhalten; er intervenierte bei Uebernahme der Remonten und hei der Ausmusterung der dienstuntauglichen Pferde. Der Ober-Schmied zählte zu den nicht obligaten Stabs-Parteien (Prima-planisten) und stand im Unter- officiers-Rang. Nach späteren Vorschriften musste er, sowie alle Schmiede überhaupt, behufs Erlangung der Kenntnisse in der Thier-Arzneikunde, in der 1766 ge­gründeten k. k. Thier-Arzneischule ausgebildet werden. Von 1769—1807 war bei jedem Regiments-Stabe auch ein Unter- Schmied als Gehilfe des Ober-Schmiedes eingetheilt. Derselbe musste im Bedarfs­fälle aber auch den Dienst eines abgängigen Escadrons-Schmiedes versehen. Nach dem Organisations-Statut vom Jahr 1857 zählten dieselben als „Thier-Aerzte” zu den „Militär-Parteien” mit Beamten-Rang*) und unter­schied man nunmehr Ober-Tliier-Aerzte 1. und 2. Classe, Thier-Aerzte 1. und 2. Classe und Unter-Thier-Aerzte *). Seit 1869 bilden sie als Militär-Beamte die Gruppe der „Militär-Thier- Aerzte”. Gegenwärtig (seit 1860) ist wieder nur mehr ein Thier-Arzt per Regiment systemisiert, welcher nach den neuesten organischen Bestimmungen im Range eines Ober-Thier-Arztes stehen soll und mit Bezug auf die bei einzelnen Regimentern noch vorkommenden Unter-Thier-Aerzte, sowie auf die Curschmiede der Escadronen als „Chef-Thier-Arzt” fungiert. Ausser den früher genannten Obliegenheiten hat der Chef-Thier-Arzt nunmehr auch für die Ausbildung der Aspiranten für den Curschmied- und Hufbeschlag-Curs zu sorgen. Die Ober- (Unter-) Schmiede waren nach 1769 im Allgemeinen wie die übrigen Unterofficiere gekleidet, nur trugen sie statt der Kopfbedeckung der betreffenden Reiter-Gattung einen dreieckigen glatten Hut mit goldener oder silberner Schlinge. Nach der Adjustierungs-Vorschrift vom Jahre 1828 hatten sie mohren­graue Röcke und Beinkleider (von 1840 anPantalons ohne Passepoil) zu tragen; die Egalisierung war hei jenen der deutschen Cavallerie in der Regiments- Farbe, bei jenen der Husaren und Uhlanen in der Farbe der Kopfbedeckung (Csako, Czapka), doch behielten die Schmiede als solche den Hut. Sie trugen den Cavallerie-Säbel (Pallasch) mit Unterofficiers-Porte-épée, aber keine Patrontasche. Gegenwärtig tragen dieselben, nachdem ihre Adjustierung in dem Zeit­räume von 1852—1869 einige unwesentliche Veränderungen erfahren hatte, den Hut (wie alle übrigen Militär-Beamten ohne Federbusch), schwarzen Waffen­J) Vorübergehend (1853) wurden sie ,,Ober-Curschmiede” genannt. 2) Natürlich umfasste diese Standesgruppe nunmehr auch alle bei den übrigen Waffengattungen, Branchen und Anstalten eingetheilten Thier-Aerzte. Jedem Cavallerie- Regimente waren nach der Zahl der Divisionen 3—1 solcher Thier-Aerzte verschiedener Classen zugewiesen.

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