Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 12. (Neue Folge, 1900)

Hauptmann Veltzé: Die Hauptrelation des kaiserlichen Residenten in Constantinopel Simon Reniger von Reningen 1649-1666 - I. Hauptrelation des kaiserlichen Residenten Simon Reniger

84 V e 11 z 6. Leute bei sieb gehabt, sich etwas widersetzt, endlich aber Alles hinterlassen und mit fünf oder sechs Pferden die Flucht genommen, so ihm jedoch nicht gelungen, denn er ward an einem Fluss erreicht und sein Kopf nach Constantinopel geschickt. Solchergestalt war das Governo, so nach des Sultans Ibrahim Tode bei den Janitscharen gewesen, wiederum in das Serail gekommen und die Rumore in Constantinopel gestillt worden, welche zehn Tage gewährt und sonst in par- ticulari Niemandem einen Schaden verursacht. Mit der Revolution in Asien aber hatte es noch ein weites Aussehen, denn auch der Pascha von Damascus, Ipsir Pascha, mit etlichen Tausend sich dazugeschlagen, welchen die Spahis zum Gross-Vezier haben wollten; Hessen sich ver­lauten, wie sie wiederum nach Constantinopel und das Governo reformieren müssen, allwo man Alles dissimuliert und viel­mehr die Sache in der Güte zu stillen beflissen gewesen, massen dann der Gross-Vezier, mit unterschiedlichen Mis­sionen und allerhand guten Offerten sie dahin vermochte, dass auch der Pascha von Damascus und Hassan Aga ihre Kehaien oder Hofmeister nach Constantinopel geschickt, welche wohl tractiert und regaliert worden, aber wobei es nicht beruhte; die Spahis verfolgten einen Weg als den anderen ihren Marsch, daher auch zu Constantinopel andere Resolution gefasst und an die nächstliegend e Miliz, sowohl in Asien, als Europa alsbald Befehl ausgefertigt worden, dass sie ihre Völker zusammenziehen und auf weitere Ordre in Bereitschaft halten sollten. Man hatte bereits etwas von Stücken nach Scutari über­führt und eine Anzahl Janitscharen nach Brussa. comman- diert. Dem Gross-Vezier Tschausch Pascha war nicht wohl bei diesem Handel, denn man ihn einestheils in Verdacht gehabt, ob hätte er sich vorhin mit den Spahis wider die Janitscharen sotto mano verstanden; so hatten sich zwischen ihnen und den Eunuchen im Serail, welche seinen stolzen, hoffärtigen Humor nicht erdulden können, hauptsächlich Disgusti ereignet, wie sie ihn bald aus seinem hohen Posten gehoben, wobei ihm zugleich sein Haus spoliert und Alles in das Serail ge­liefert worden. Der Mufti hielt ihm so viel Schutz, dass er

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