Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 12. (Neue Folge, 1900)
Hauptmann Veltzé: Die Hauptrelation des kaiserlichen Residenten in Constantinopel Simon Reniger von Reningen 1649-1666 - I. Hauptrelation des kaiserlichen Residenten Simon Reniger
Simon Reniger von Reningen. 135 Grenzen nicht ermangelt, welches die Türken desto mehr erbittert und zur Ruptur veranlasst, sonderlich weil sie gesehen, dass sie mit ihrer Macht an die Grenze kommen und kein Widerstand vorhanden; viele Motive sage ich, haben zu diesem Kriege geholfen, aber Szekelyhid, weil man in übrigen Puncten noch zu Constantinopel allerseits d’Accord gewesen, war die Hauptursache, denn desshalb war so viel Zeit verflossen und waren so viele Couriere umsonst hin- und hergereist, dass der Türke endlich ungeduldig geworden, Alles für Betrug gehalten, seine Miliz aus Asien und Europa zusammengezogen und von gehabten Tractaten weiter nichts hören wollen. Wie diese Campagne abgelaufen, Neuhäusel und andere Orte weggenommen worden, ist ohnehin bekannt. Mich hatte der Gross-Vezier, als er im Monate November nach Ofen zurückgekommen, wiederum mit sich nach Griechisch- Weissenburg genommen, den Freiherrn von Goess aber licen- ziert und nach Wien entlassen und obzwar die Türken mit den christlichen Repräsentanten in Kriegszeit gemeiniglich indiscret zu verfahren pflegen, so hat mich der Gross-Vezier einen Weg als den anderen, frei gehalten und erstlich ganz frei gelassen, hernach aber, als die Brücke zu Esseg, dann Eünf- kirchen und mehrere andere Orte weggebrannt worden, eine Wache von Janitseharen vor mein Quartier gelegt, blos dem Volke Satisfaction zu geben, welches über meine Freiheit ungleich geredet, ob hätte Herr Graf von Zrinyi von mir alle Nachrichten und Avisen gehabt; dessen aber unerachtet war ich dahin beflissen, wie ich einen Express-Courier abfertigen und Euer Majestät von der Türken weiterem Vorhaben ausführliche Parte geben möchte; liess den Vezier unter dem Vorwände, dass ich eines Succurses von Nöthen, ersuchen, er wollte mir erlauben, dass ich einen Courier expedieren möchte, welches mir umso viel lieber erlaubt worden, weil ich vorgegeben, dass ich mit dieser Occasion sehen wollte, ob von Seite Euer Majestät eine Inclination zum Frieden vorhanden, widrigenfalls wäre meines Thuns in der Türkei nichts; frische Wunden wären leichter zu heilen als alte, er wisse wohl wie redlich ich jederzeit gehandelt und wie emsig ich darüber gewesen, dass es zu keinem Kriege ausbrechen sollte; man