Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 12. (Neue Folge, 1900)

Hauptmann Veltzé: Die Hauptrelation des kaiserlichen Residenten in Constantinopel Simon Reniger von Reningen 1649-1666 - I. Hauptrelation des kaiserlichen Residenten Simon Reniger

118 V e 11 z e. welcher damals nach Constantinopel gereist, gegen den Pascha in Silistria gemeldet, man verwundere sich in Polen, dass die Pforte eines solchen Dolmetschen, nämlich des Panajotti, sich bediene, welcher zugleich Euer Majestät diene und bei solchen Conjuncturen, wo wann Krieg auskommt, alle Geheimnisse ent­deckt werden könnten; unerachtet nun die Pforte wider Euer Majestät kein feindliches Absehen gehabt, so hat sie auf so viele ungleiche Informationen doch endlich angefangen zu zweifeln und ihre Gedanken dahin gestellt, wie sie im Palle einer Ruptur den Krieg mit Venedig im status quo lassen und ihre Waffen völlig nach Ungarn wenden sollte, massen sie dann gleich darauf mehr Munition und eine stärkere Be­satzung nach Wardein geschickt. Das siebenbürgische Wesen beruhte endlich an dem, dass Kemeny sich retirieren, das Land aber einen anderen Pürsten erwählen und der Pforte gehorsam verbleiben sollte, widrigenfalls man sie wiederum mit Türken und Tataren über­ziehen würde; massen dann an Ali Pascha und beide Woj- woden bald hernach Ordre ergangen, dass sie auf den Kemeny losgehen, denselben verfolgen, aber weiter keine Festungen wegnehmen sollten. Sonst bestand des ermeldeten polnischen Internuntius Anbringen, wie die vorigen wiederum in Danksagung für die Tataren und dass man sie noch künftig zu Hilfe lassen wollte, denn der Moscowiter noch viele Orte, welche der Krone Polen zugehörig und eine grosse Macht beisammen, werde nicht allein von unterschiedlichen christlichen Potentaten, sondern auch von den türkischen Unterthanen, als Griechen, selbst dahin persuadiert, dass er sich wider die Pforte movieren sollte; er hatte auch in specie, wie ich vernommen, wider Euer Majestät Etwas melden wollen, aber wegen des Panajotti, welcher eben zugegen war zweifelsohne nichts gemeldet, absonderlich weil ihm auch der Gross-Vezier in die Rede gefallen und den gewe­senen Wojwoden in der Walachei, Constantin Serban, welcher zu Kaminiec sich befunden begehrt, so doch endlich so weit vermittelt worden, dass der Tataren-Ohan mit dem Könige in Polen desswegen tractieren sollte. Im Uebrigen war dieser Internuntius mit freundschaftlichen Schreiben wiederum ent­lassen worden.

Next

/
Thumbnails
Contents