Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 12. (Neue Folge, 1900)
Hauptmann Veltzé: Die Hauptrelation des kaiserlichen Residenten in Constantinopel Simon Reniger von Reningen 1649-1666 - I. Hauptrelation des kaiserlichen Residenten Simon Reniger
106 V e 11 z e. Eben damals hatten sich ein polnischer und ein kosakischer Abgesandter an der Pforte befunden; dieser hatte in Substanz nichts als ein Compliment vom Himilzki abzulegen gehabt, aus Anstiftung der Siebenbürger aber in der Audienz beim Sultan gemeldet, dass zwei kaiserliche und zwei polnische Gesandte beim Himilzki seien, welche die Kosaken zu einer Liga wider die Türken ermahnten, wären aber in die Gefängnisse geworfen und so es dem Sultan beliebte, wollten sie ihre Köpfe an die Pforte schicken. Der polnische Gesandte hatte sich in Substanz bedankt, dass man die Tataren zu Hilfe gelassen, bittend, man wolle es auch künftig erlauben, besprach nebenbei des Räkoczy Vermessenheit, dass er sich ohne der Pforte Vor wissen in so gefährliche Conföderationen und in Krieg wider Polen eingelassen und beide'AVojwoden aus der Walachei und Moldau, ebenmässig ohne der Pforte Vorwissen, mit sich verwickelt. Item, dass die Siebenbürger seine Post sammt seinem ganzen Gefolge zu Onod aufgehalten, übel tractieret, ausgeraubt, ja sogar die Creditive an den Sultan, Mufti und Gross- Vezier eröffnet; da doch sonst vermöge der Capitulation, weder Türken, noch ihre Unterthanen, der Krone Polen einzigen Schaden zufügen sollten, bat zum Beschlüsse, man solle den Rakoczy, wie nicht weniger beide Wojwoden absetzen und die Fürstenthümer anderen friedliebenden und gehorsamen Leuten anvertrauen. Item hatte dieser polnische Gesandte, auf das was die Pforte durch den vorigen Internuntius geschrieben, nämlich dass die Kosaken desshalb unter des Sultans Protection sich begeben, weil sie der Polen Tyrannei nicht mehr ertragen könnten und dass besser mit Schweden Friede zu machen, als wegen eines Titels Krieg zu führen, eine schriftliche Erklärung eingereicht, wasgestalt die Kosaken vom Könige in Polen, niemals tyrannisiert worden, sondern immer seine Milde erfahren, dass er sie so oft, theils durch den Tataren-Ohan, theils durch Gesandte im Guten zu ihrem schuldigen Gehorsam ermahnen lassen und de facto gerne zu Gnaden aufnehmen wollte, wann sie sich bequemen wollten; sie wären aber unbeständige, halsstarrige Leute, suchten bald an der Pforte, bald beim Moscowiter Protection, machten mit Schweden und