Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes. 79 musste'). Gegen 6 Uhr des Morgens hörte ich sie herum­streifen und sah kein Mittel, ihnen auszuweichen; doch von Kälte und Kegen durchdrungen und immer schwächer durch den Blutverlust, fasste ich den verzweifelten Entschluss, nach Rastatt zurückzukehren. Ich erblickte auf dem Wege die nackten Leichen meiner beiden Collégén.« Ausser Athem und mit Blut bedeckt, langte er endlich bei dem preussischen Gesandten, dem Grafen Görtz in Kastatt an. In seinem zweiten Bericht erzählt Debry seine Rück­kehr nach Rastatt etwas ausführlicher. Nachdem er von dem hohlen Baum herabgeklettert war, will er sich in einem dichten Gebüsch verborgen haben, um von den umherstreifenden Husaren, welche »Vedetten ausstellten«, nicht bemerkt und getödtet zu werden. »Diese Lage konnte nicht lange währen; ich litt die heftigsten Schmerzen. Es schlug 6 Uhr in Rastatt. Ich entschloss mich, sogleich dahin zurückzukehren und, falls ich nicht am Thore niedergehauen würde, mich in das Haus des ersten besten Gesandten zu werfen. Als ich den Wald verlassen hatte, sah ich zwanzig Schritte vor mir zwei Fussgänger, welche auf eben dem Wege in der Wiese giengen. Ich eilte, sie einzuholen, um weniger bemerkt zu werden. Meine fürchterliche Gestalt, mit Koth und Blut be­deckt, setzte sie in Schrecken. Ich erklärte ihnen, so gut ich konnte, dass ich einer der französischen Gesandten und von Mördern angefallen sei. Sie nahmen mich in ihre Mitte . . . Einzelne Personen standen an dem Orte, wo die Greuel­scene den Tag vorher vorgefallen war. Bei meiner Annäherung entfernten sie sich. Ich gieng schnell vorüber, aber doch nicht schnell genug, ohne die zerhackten Leichen meiner armen Collégén zehn Schritte voneinander zu sehen. Sie waren ganz nackend und schienen abgewaschen zu sein. Der Regen, ') Nach, dem »Authentischen Bericht« will aber Debry, da er sich im Hegen nicht auf die nasse Erde legen wollte, »ohngeachtet des stark verwundeten linken Armes, auf einen Baum« geklettert sein, »wo er sich, zuweilen vor Mattigkeit halb schlummernd bis zum an­brechenden Tage erhielt und dann den Weg nach der Stadt suchte«. Nach seinem »Narre fidele« soll Debry erst bei Tagesanbruch auf einen hohlen Baum geklettert, aber gleich wieder herunter gestiegen sein, »weil ich da zu sichtbar sass«.

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