Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Ereignisse beim Corps FML. von Kospot vom 26. März bis zum 28. April 1799

74 Criste. Deutung zuliess, den Befehl, die französische Gesandtschaft sammt Gefolge passieren zu lassen. Das Ansinnen der deutschen Gesandten, den Franzosen eine Escorte mit auf den Weg zu geben, wies Burkhard mit Hinweis auf die geringe Zahl der ihm zur Verfügung stehenden Truppen ab1). Der unfreiwillige Aufenthalt beim Rheinauer Thor, die, wenn auch vollkommen begründete Weigerung Burkhard’s, eine Escorte beizustellen, war von einem Theil der deutschen Gesandten benützt worden, um die französischen Minister neuerdings zum Aufschub ihrer Reise zu bewegen. Es schien zu gelingen. Bonnier hatte schon früher Besorgnisse bezüg­lich seiner Reise nach Frankreich geäussert und ein Augen­zeuge sah ihn noch am Vormittag am Ufer der Murg stehen und sinnend nach der Gegend von Selz, nach Frankreich, hinüberblicken2). Seine trüben Ahnungen mehrten sich, je näher die Stunde der Abreise heranrückte und als ihm der dänische Legationsrath Eggers zusprach, die Reise mit Rück­sicht auf seinen schwankenden Gesundheitszustand aufzu­schieben, da entgegnete er lebhaft: »Nicht für meine Gesund­heit fürchte ich; ich fürchte eine Gewaltthat3)!« Aehnliche Besorgnisse hegte auch Roberjot. Während die Gesandten beim Thore auf die Erlaubniss zur Abreise warteten, machte Eggers auch der Madame Roberjot Vorstellungen und bat sie, doch den nächsten Tag abzuwarten. »Mein Gott,« ent­gegnete sie, »ich wünsche ja nichts mehr als das und auch mein Mann ist damit einverstanden.« Die Entscheidung Debry’s, der übrigens von allem Anfang an für sofortige Abreise war, gab den Ausschlag4) und als die Antwort Burkhard’s eintraf, da sagte Roberjot zu Eggers: »Adieu, mein Herr; Sie sehen mein Schicksal, wir müssen abreisen5)!« ■) Gerichtliche Aussage Burkhard’s. . *) Mendelssohn, Gesandten-Mord, 22. u) Eggers, Briefe, I, 361. 4) Hiiffer, Diplomatische Verhandlungen, III, 375. Mendelssohn, Gesandten-Mord, 24. Debry’s Angaben. Häberlin. Staats-Archiv, 1891. VII, 119 ff. 5) Eggers, Briefe, I, 365.

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