Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Ereignisse beim Corps FML. von Kospot vom 26. März bis zum 28. April 1799

58 Criste. Bezüglich der Anfrage desFreiherrn vonVrinls befahlFML. Kospoth, den Postcurs von Rastatt über Selz absolut nicht zu gestatten, da »dieser Curs der schädlichste sei« . . . »denn nicht nur, dass der Zusammenfluss von allen Nachrichten nach Rastatt kommt, sondern er geht auch auf dem kürzesten Wege weiter1)«. *) K. A. 1799. IV, 138. Kospoth an Erzherzog Carl und an GM. Merveldt. Donaueschingen, 23. und 24. April 1799. Sybel erwähnt (Deutsche Kundschau. III/l, S. 64) eine Meldung Kospoth’s vom 23. April, worin von sechs »verdächtigen« emigrierten Geistlichen die Kede ist und fragt, ob diese etwa die Husaren gegen die Jacobiner gehetzt? Die unter dieser Frage verborgene, aber ver­ständliche Vermuthung Sybel’s ist ganz falsch. Diese sechs Geistlichen wurden nämlich verdächtigt, im französischen Interesse Spionen- dienste zu leisten. Die bezügliche Meldung des Lieutenants Wilkocz vom Freicorps Wurmser, der die Aufmerksamkeit seiner Vorgesetzten auf diese Geistlichen lenkte, denen übrigens nichts Böses nachgewiesen werden konnte, lautet: »Aus zuverlässlichen Nachrichten von Leuten, die ich nicht entdecken darf, sind zu Ober- und Niederhausen sechs emigrierte Geistliche aus Eisass, die unsere Armee beobachten und von allen unseren Bewegungen, Vorfallenheiten und Stärke Nachricht geben. Alle Sonn- und Feiertage, auch sonst, werden sie von den Elsässern besucht, unter dem Vorwand, Messe zu hören, die die Nachrichten nach Eisass bringen, wo der Feind davon einen Gebrauch machen kann. Die sechs emigrierten Geistlichen aber haben durch ihr Schmeicheln sich bei den dortigen Einwohnern in solchen Credit gesetzt, dass man ihre Ehrlichkeit wird bestätigen wollen, aber nichts desto weniger sind sie feindliche Kundschafter zuverlässlich und um desto mehr, da sie gerade zwischen Kehl und Breisach ihren "Wohnsitz gewählt haben, welches ich nicht ermangle, gehorsamst vorzustellen.« Zugleich verzeichnete der Lieutenant die »Namen der emigrierten Geistlichen und ihren Aufenthalt. Zu Oberhausen: Der Erzpriester, dessen Namen aber unbekannt ist, wohnt bei Johann Ferster. Der Rector wohnt bei Maader Jäger. Kaffer wohnt beim alten Vogt zu Niederhausen. NB. Pellert, ein besonders Verdächtiger, wohnt beim jungen Bernhard Stelli. Deckert wohnt bei Müller Andrest oder Scheurstein.« (K. A. 1799. IV, 138, bisher secret gehalten.) Der etwas animose IJebereifer des Lieutenants ist einiger- massen motiviert durch den Umstand, dass Wilkocz reformierter Con­fession war. FML. Kospoth verfügte in Folge dieser Meldung am 24. April: »Die in Ober- und Niederhausen befindlichen sechs französischen Geistlichen sind ohne Weiteres hinter die Vorposten zu schaffen und hieher zu begleiten, wo sie sodann weiter in das Land einen Pass erhalten werden.« (An GM. Merveldt. K. A. 1799. IV, 138. Bisher secret gehalten.) Dass diese Geistlichen in keinen, wie immer gearteten Zusammenhang mit dem Gesandten-Mord gebracht werden können, ist wohl Idar.

Next

/
Thumbnails
Contents