Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Ereignisse beim Corps FML. von Kospot vom 26. März bis zum 28. April 1799

Beiträge zur Geschichte des Bastatter Gesandten-Mordes. 41 man musste also auf anderem Wege in den Besitz solcher Papiere gelangen. Von den französischen Gesandten in Bastatt war bis jetzt, wie aus den mitgetheilten Actenstücken ersichtlich, noch mit keinem Worte die Bede. Nach der Ausweisung B acher’s und Alquier’s aber erfuhr man, dass diese sich nach dem Congressort begeben und erst am 6. April meldete die »All­gemeine Zeitung«, dassAlquier nach Paris gereist, Bacher aber noch immer in Bastatt geblieben sei1). Dass sich nach Ausweisung dieser Gesandten die durch Strick und Wächter vermittelten Kundschaftsnachrichten in Bastatt ansammeln und durch Vermittlung Bonnier’s, Debry’s und Boberjot’s weiter befördert würden, schien zweifellos. Schon am 29. März hatte der Taxis’sche Geheimrath und Beichs-Oberpostamts- Director Freiherr von Vrints aus Bastatt an den Grafen Lehrbach geschrieben, er wünsche, »dass des Erzherzog Carl K. H. ein kleines Truppencorps hieher marschieren lassen möge, um den Congress, den Sitz der Intriguen, zu sprengen2)«. Auch darüber konnte kein Zweifel bestehen, dass sich in den Papieren der französischen Gesandten auch Briefe der beiden unter dem Deckmantel der Immunität arbeitenden diploma­tischen Spione befinden mussten. Aber die Gesandten selbst, ihr Gefolge und ihr Archiv waren nach der Ansicht des Erz­herzogs unverletzlich, ebenso der Congressort, und an dieser Ansicht hielt der Prinz auch fest, nachdem Graf Metternich Bastatt verlassen hatte und damit der Congress thatsächlich aufgelöst worden war. Ob sich nun wirklich, wie Hüffer annimmt3), die Auf­merksamkeit der österreichischen Officiere auf Bastatt richtete, »wo seit längerer Zeit alle Fäden der verschiedenen Kund­schafter in den Händen der französischen Gesandten zusammen­liefen4)« und ob deshalb in diesen Offieieren der Gedanke, der Wunsch erwachte, sich dieser Papiere zu bemächtigen5), mag vorläufig dahingestellt bleiben. In den ziemlich zahl- *) *) »Allgemeine Zeitung« Nr. 96 vom 6. April 1799. 2) K. A., F. A. Deutschland. 1799. III, 285. s) Der Bastatter Gesandten-Mord. Bonn 1896. 4) Ebenda, S. 22. 5) Ebenda, S. 28.

Next

/
Thumbnails
Contents