Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Ansichten verschiedener Historiker über den Gesandten-Mord

422 Criste. hervorgerufen durch das bezeichnende Erstaunen des Grafen über die angeblich durch Szekler-Husaren verübte T-hat, so liegt auch sonst kein Beweis, aber auch nicht der leiseste vor, der eine solche Vermuthung unterstützen würde. Burkhard, dieser schlichte Sohn des bayerischen Kitzingen, ein deutscher Mann, der seine Zukunft eben im kaiserlichen Heere gesucht, diente 34V2 Jahre, war von seinen Vorgesetzten sehr gut beschrieben und soll nun, durch Geld bestochen, einen Mord veranlasst haben! Aber selbst diese durch gar nichts be­gründete Beschuldigung angenommen, so widersprach ja das Benehmen und die Handlungsweise Burkhard’s durchaus einem solchen Verdacht. Er versucht, die französischen Ge­sandten an der Abreise zu verhindern. Wenn diese nun wirklich blieben, was dann mit dem vorbereiteten Mord? Und da sie nun die Abreise durchsetzen und Burkhard die Nachricht erhält, dass seine Husaren sie ermordet haben sollen, ist er entsetzt! Wie lässt sich denn all’ das zusammenreimen? Ob nun Burkhard den Befehl gehabt haben, die Gesandten er­morden zu lassen, oder ob er hiezu durch Bestechung veranlasst worden sein soll, in jedem Fall wäre er auf diese Nachricht vorbereitet gewesen und hätte nicht in voller Bestürzung eine confuse Meldung um die andere geschrieben. Auch ein anderer Officier von Szekler-Husaren musste diese Beschuldigung über sich ergehen lassen1), der Lieutenant von Fontana. Bekannt­lich wurde von dem Gefolge der französischen Minister auch behauptet, dass die Szekler-Husaren italienisch gesprochen hätten; nun war Fontana zufällig ein Italiener — die Schluss­folgerung ergiebt sich von selbst! Aber noch ein anscheinend viel gewichtigerer Umstand sprach dafür, Fon tan a zu be­schuldigen: die Conduite-Liste sagte von ihm, er sei ein »schlechter Wirt-h« und »zu Zeiten« ein Zänker und seine l) Und zwar schon zu jener Zeit. So liegt unter den bisher secret gehaltenen Actenstücken auch ein Zettel von unbekannter Hand, mit »Ö.« unterschrieben [Öhl? speyerischer Hofrath] .undatiert und ohne Adresse, der folgende Mittheilung enthält: »Her Mann, von dem ich Euer etc. gestern sprach, soll sich Poltano nennen, Lieutenant der Szekler-Husaren. Er soll den 28; in oder bei Rastatt auf Commando gestanden und bei der ganzen k. k. Armee (?) nicht zum Vortheilhaftesten bekannt sein.«

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