Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Ansichten verschiedener Historiker über den Gesandten-Mord

Beiträge zur Geschichte fies Rastatter Gesandten-Morcles. 419 man sich mit nicht gut zu rechtfertigender Leichtigkeit über eine fast erdrückende Menge von Gegenbeweisen hinwegsetzt, wird man noch an ihre Schuld glauben — sie zu beweisen wird überhaupt nicht möglich sein, selbst wenn man wichtige und entscheidende Phasen des Geschehnisses stillschweigend übergeht. Von einem Befehl an die Husaren, die Gesandten zu ermorden, kann nicht mehr die Hede sein; an diese Fabel glauben selbst solche Forscher nicht mehr, die im Uebrigén von der Schuld der Szekler überzeugt zu sein scheinen. Dieser Umstand allein aber, dass der Mord nicht anbefohlen war, könnte schon einen vollgiltigen Beweis bilden für die Un­schuld der Husaren; denn wenn sie auch den Auftrag gehabt haben sollten, sich der Papiere der französischen Minister zu bemächtigen, so war ihnen zweifellos strenge befohlen, dies mit der grösstmöglichsten Schonung zu thun und wie sehr sie diesen Befehl befolgten, beweist ihr geradezu tactvolles Benehmen, so oft sie Gelegenheit hatten, mit fremden Diplo­maten in Berührung zu kommen. Weder Herr von Jacobi, noch Graf Stadion hatten auch nur den geringsten Grund, in dieser Beziehung zu klagen —■ und die Franzosen, die ihnen ebenso wenig bekannt waren als die Deutschen, sollen sie in grausamster Weise ermordet haben? Man führe doch nur einen halbwegs plausiblen Grund dafür an! Weil aber dies schon damals, als die That verübt wurde, nicht möglich war, weil man beim allerbesten Willen selbst von gegnerischer Seite keinen Grund finden konnte, welcher einen Mordbefehl von österreichischer Seite glaubhaft erscheinen liess, hat man nach anderen Motiven gesucht, welche die Szekler zu der That veranlasst haben konnten. So wurde die Vermuthung ausgesprochen, die Husaren hätten den Mord begangen aus Gründen religiösen Eifers1) oder Entrüstung über den Königs­mord1 2) oder aus Hass gegen die französischen Gesandten, die ihnen als Jene bezeichnet worden seien, welche den Krieg in 1 j Die Calviner und Griechen ? 2) Des Königs von Frankreich? der ihnen doch ganz gleichgiltig sein konnte. Die Franzosen waren dem österreichischen Heere immer nur als Feind bekannt, oh bourbouistisch oder republikanisch. 27*

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