Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Ansichten verschiedener Historiker über den Gesandten-Mord

Criste. ') Herausgegeben von Albert Rolf, Hamburg, 1898. 2) S. S. 131 ff. liste vom 16. Februar ein keineswegs günstiges Zeugniss über seine Aufführung in und ausserhalb des Dienstes ausgestellt.« Die kürzlich erschienenen »Denkwürdigkeiten des Grafen Hans von Schlitz1)« enthalten nur kurze und werthlose An­gaben über den Yorfall vom 28. April 1799. Graf Schlitz, einer der zahlreichen Fremden, die damals ohne officiösen Anlass in Rastatt weilten, nennt den Grafen Lehrbach als Urheber des Mordes. Da Graf Schlitz, wie er selbst angiebt, »bereits kurze Zeit vor diesem Mordauftritte Rastatt verlassen hatte,« dürfte er zu dieser Vermuthung zweifellos durch den preussischen Gesandten, Grafen Görtz, angeregt worden sein, dessen Schwiegersohn er war. Diese »Darlegung« des Grafen Schlitz kann indessen wirklich durchaus Niemanden, wie der Herausgeber seiner »Denkwürdigkeiten« zu hoffen scheint, »überraschen«, umso mehr aber die weitere Bemerkung des Letzteren, dass sie »bislang nicht in Betracht gezogen« wurde, da doch be­kanntlich der »Lehrbach-Mythos« einen mehr als noting breiten Raum in der umfangreichen Literatur über den »Ra­statter Gesandten-Mord« einnimmt. Sehr bezeichnend aber ist es, dass Graf Görtz selbst dann noch den ganz und gar haltlosen Verdacht, den Mord veranlasst zu haben, auf den Grafen Lehrbach zu lenken suchte, als er schon durch das angeblich belauschte Gespräch Lehrbach’s2) vollständig überzeugt sein musste, dass dieser an dem Verbrechen mindestens eben so wenig Schuld sein konnte, als etwa er selbst. Wählerisch in den Mitteln, seine politischen Gegner zu vernichten, war nun einmal Graf Görtz entschieden nicht. Gehen wir die hier angeführten Ansichten mehr oder minder bekannter Historiker durch, so finden wir als Ur­heber des Mordes bezeichnet: das Pariser Directorium, General Bonaparte,

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