Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)
Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Ereignisse in Rastatt in der Nacht des 28. April
164 Criste. liehen Befehl. Ob diese Annahme richtig ist und welcher Art dieser Befehl gewesen sei, wird an geeigneter Stelle genau ausgeführt werden — hier soll, auf Grund des »Authentischen Berichtes« selbst, nur nochmals festgestellt werden, dass sowohl das Benehmen des Rittmeisters Burkhard, als jenes seiner Husaren ganz und gar unverständlich, man möchte sagen, sinnlos ist, wenn angenommen wird, der Rittmeister und seine Leute wären beauftragt gewesen, Bonnier und Roberjot zu ermorden! Der »Authentische Bericht« erzählt weiter: »Die Wagen hielten vor dem Schlosse, Jeder drängte, sich den Unglücklichen, die sich darin befanden, zu nähern und ihnen möglichste Hilfe zu geben; aber Niemand, auch die ansehnlichsten Gesandten x) nicht, wurden zugelassen, weil in Ermangelung ') Von diesen, so erzählt ein Brief aus Rastatt (Haus-Hof- und Staats-Archiv, Copie d’une lettre de . Rastatt, du 29 avril 1799), stand Graf Görtz, begleitet von seinem Schwiegersöhne und einem Läufer, das Augenglas in der Hand und das Ende seines Zopfes von einer Fackel angebrannt, stumm da und zitterte an allen Gliedern; Jacohi, der zweite preussische Gesandte, lief aus einem Winkel in den anderen, Minister Edelsheim lehnte an einem Haus, das Gesicht in die Hände verborgen und Herr von Rosenkrantz, der dänische Gesandte, parla- mentierte mit den Husaren. Hier möchten wir auf einen nicht ganz unbedeutenden Irrthum aufmerksam machen, der sich in die an Räthseln und Irrthümern überreiche Literatur über den Rastatter Gesandten-Mord eingeschlichen und behauptet hat. Der dänische Legationsrath Eggers, dessen »Briefe« bekanntlich eine Hauptquelle für dieses Ereigniss bilden, erzählt nämlich (II, 371, 475), er habe, da die Husaren, »die nicht einmal unser Deutsch verstanden«, absolut Niemanden zu den Wagen lassen wollten, den "Versuch gemacht, sie lateinisch anzureden. Das half merkwürdiger Weise; man liess ihn in den Kreis und auf seine Bitte »Frater meus est« auch den Freiherm von Gemmingen. Freilich, wenn die Szekler-Husaren so gebildete Menschen waren, dass sie perfect französisch sprachen, darf es nicht Wunder nehmen, dass sie auch lateinische Sprachstudien gemacht. Nun, die Sache verhält sich anders, und das Räthsel — denn ein solches bilden zweifellos lateinisch sprechende Szekler-Husaren des Jahres 1799 — ist leicht gelöst. Unter den Szeklern befanden sich, wie man bisher angenommen zu haben scheint, nicht nur Ungarn, sondern zumeist Walachen oder, wie wir heute sagen, Rumänen. Wir werden Einige davon noch kennen lernen. Die Aehnlichkeit der walachischen Sprache mit der lateinischen, die bekannt-