Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Ereignisse in Rastatt in der Nacht des 28. April

158 Criste. Inquisition anstellen?« Und noch ein AVort wendet Burk- hard an, das bereits in der Correspondenz der Generale vor­kommt1), das Wort »Missverständnisse. »Es sei ein unglück­liches Missverständniss!« Diese augenscheinliche Verlegenheit des Rittmeisters Burkhard ist nicht zu erklären, sie ist geradezu unbegreif­lich, wenn man annimmt, dass er, sei es aus eigenem Antrieb, sei es in Folge irgend eines erhaltenen Befehles, an der Er­mordung der französischen Gesandten betheiligt gewesen. Hätte er denn in einem solchen Fall sich nicht eine ent­sprechende Ausrede zurecht gelegt? Ja, noch mehr, hätte er nicht rundweg und mit soldatischer Derbheit geleugnet, dass seine Husaren an dem Ueberfall betheiligt waren; hätte er nicht mit voller Entschiedenheit sich dagegen verwahrt, seine Husaren zu beschuldigen ? Ganz gewiss ! Und dass er dies nicht gethan, dass er verlegen nach Milderungsgründen sucht, ist der schlagendste Beweis, dass Rittmeister Burk­hard von der Mittheilung der fremden Gesandten vollständig überrascht war. Ist dies richtig — und diese Ueberraschung drückt sich ja geradezu drastisch aus in den Entgegnungen des Rittmeisters — so hat Burkhard auch gar nichts von dem Ueberfall gewusst, so steht er in gar keiner Beziehung zu der Ermordung Bonnier’s und Roberjot’s. Ist aber diese Folgerung richtig — und sie ergiebt sich doch ganz zwanglos aus den von Burkhard selbst bestätigten An­gaben des »Authentischen Berichtes« — so kann natürlich auch nicht die Rede davon sein, dass Burkhard und seine Husaren höheren Orts beauftragt wTaren, die beiden französi­schen Minister zu ermorden. Denn in diesem Falle wäre Burkhard selbstverständlich genau vorgeschrieben worden, wie er sich und seine Husaren rechtfertigen solle, falls der Verdacht sich gegen sie lenken würde. Und thatsächlich findet sich ja eine derartige Unterweisung in der Correspondenz der Generale. Die Sache sei, schrieb, wie bekannt, GM.GrafMerveldt, »im Erforderungsfall« als ein »Missverständniss« anzusehen2), *) *) S. 8. 40, 50, 51. 2) S. S. 50.

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