Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)
Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall
152 Criste. unseres geheimnissvollen Gewährsmannes ! Schon die an Letzteren gerichtete Frage : »Ober den Husaren sehen wolle, der Roberjot ermordet habe?« klingt darum etwas absonderlich, weil es ja, wie bei Debry und bei Bonnier, nicht ein Mann gewesen, der aufRoberjot eingehauen, sondern mehrere zugleich. Doch dies bei Seite gesetzt, so hat von allen am 29. in Rastatt und später in Frankreich einvernommenen Personen keine von der Anwesenheit eines Officiers unter den Angreifenden etwas erwähnt. Die französischen Zeugen sagen nur aus, es habe ihnen geschienen, dass Einer, derselbe, der Debry französisch angerufen, gleichsam die Leitung des Ganzen gehabt; dieser war aber, wie sie ausdrücklich anführen, zu Pferde gewesen, während der Husar im »Engel« nach der Aussage des »glaubhaften« Mannes erzählt haben soll, wie der Ofiicier, da er ihn schimpfte und ihm drohte, »hinter ihm gestanden«. Aber noch weiter: eben jener Mann zu Pferde war es auch, wie uns von zwei Seiten auf das Bestimmteste versichert wird, welcher den ersten Säbelhieb gegen Roberjot geführt und so will auch die Witwe des Gefallenen einen Husaren bemerkt haben, »der das Aussehen eines Officiers hatte« und mit einem Säbelhieb zuerst ihren Mann getroffen, was also wieder das gerade Gegentheil von dem wäre, was der Mann im Rastatter Wirthshause reumüthig und »mit vielen Thränen« bekannt haben soll. Denn nach diesem Bekenntniss wäre der ruchlose Officier hinter dem Husaren gestanden und hätte nicht selbst Hand angelegt, sondern nur Jenen angehalten, durch Schimpf und fürchterliche Drohungen moralisch gezwungen, auf Roberjot einzuhauen. Und hier ist es, wo die Aussage unseres »glaubhaften Mannes« geradezu einen Platz in Carl Friedrich Fl ö g e l’s » Geschichte des Groteskkomischen« beanspruchen kann. Wenn der brutale Szekler-Officier den weichherzigen Husaren angeherrscht haben soll, »er werde ihm auf der Stelle den Kopf spalten, wofern er noch zaudere«, dann muss er ja doch selbst einen Säbel zur Hand gehabt haben und warum hat er dann, wenn er es mit dem Tode Roberj ot’s so eilig hatte, diesem nicht selbst den Kopf gespalten? Das wäre jedenfalls einfacher, sicherer und ohne Frage kürzer gewesen, als die wiederholtenPourparlers mit seinem begriffstützigenGemeinen!«