Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

146 Criste. hinter ihm gestanden und ilrni auf der Stelle den Kopf zu spalten gedrohet, wofern er noch zaudere, so dass er dann, wie ausser sich, ganz blind auf das unglückliche Schlachtopfer eingehauen habe«. Eine andere Erzählung, die allerdings nicht vom Gefolge der französischen Gesandten, sondern von jenem Schiffer Zabern herrührt, der am 25. April von Szekler-Husaren auf­gehoben wurde, lautet: Er (Zabern) habe am Morgen des 28. April in Gernsbach, woselbst er sich befand, eine Bewegung unter den dort befindlichen Szekler-Husaren wahrgenommen, auch habe sich das Gerücht verbreitet, dass man Massregeln gegen die französische Gesandtschaft getroffen. Thatsächlich habe er um 2 Uhr Nachmittags einen Oberst, einen Auditor- Lieutenant, beide Oesterreicher, dann einen Unter-Lieutenant, Namens Fontana, Italiener von Geburt, nebst 16 Husaren zu Pferde steigen und gegen Rastatt reiten gesehen. Sofort nach deren Abmarsch hätten die Bewohner des Ortes gewusst ’), dass diese Truppe abmarschiert sei, um unsere Minister zu massacrieren und hätten unter sich gesprochen, dass aus diesem Unternehmen nichts Gutes für sie hervorgehen werde 2). Am nächsten Morgen:i) seien dieselben Soldaten, gefolgt von einem Wagen, der mit allen möglichen Effecten gefüllt war, nach Gernsbach zurückgekehrt und er (Zabern) habe im Gasthause zum »Schwarzen Adler« den Lieutenant Fontán a sagen gehört, er habe mit den französischen Ministern gesprochen und sei gezwungen gewesen, zu thun, was er gethan4). Bevor wir diese Anecdoten einzeln betrachten, möchten wir doch einige einleitende Bemerkungen vorausschicken. Es ist wohl selbstverständlich, dass ein derartiges Ereigniss, wie es die Ermordung zweier Gesandter war, in Rastatt selbst und in der Umgebung grosses, ja sogar gewaltiges Aufsehen erregen musste; giebt doch ein ganz gewöhnlicher Mord den *) *) Les habitants du lieu ont su, que oette troupe s’était mise en marche pour massacrer nos ministres. s) Que cette entreprise ne leur prognostiquait rien de bon. 8) An welchem Fontana in Plittersdorf sich von Debry und dem französischen Courier verabschiedet. 4) Martens, Nouvelles causes célébres du droit des gens. Leipzig und Paris, 1843. II, 126, 127.

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