Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)
Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall
144 Criste. "Wenn nun auch die Aussagen Jean Debry’s und seines Gefolges eine fast erdrückende Fülle von "Widersprüchen, Unwahrheiten und Lügen enthalten, wodurch ihre Glaubwürdigkeit fast jeden Werth verliert; wenn schon hieraus, dann aus der Art der Entstehung des »Authentischen Berichtes« die geringe Glaubwürdigkeit dieses Documentes hervorgeht; wenn es schliesslich eine unumstössliche That- sache ist, dass man am 28. und 29. noch ganz und gar im Unklaren über die Person der Mörder war; so giebt es doch noch eine Reihe von Erzählungen und Behauptungen, die zum Theil nicht von den Franzosen herstammen, wohl aber ihre Beschuldigungen, scheinbar wenigstens, unterstützen. Sie sollen demnach, ebenso wie die abenteuerlichen Erzählungen Jean Debry’s und seines Gefolges, die gebührende Beachtung finden. Vincent Laublin erzählt: »Die Szekler zeigten den Einwohnern (von Rastatt) ihre Säbel, die noch vom Blute gefärbt waren, rühmten sich, die französischen Gesandten ermordet zu haben und ärgerten sich, dass Jean Debry ihnen habe entgehen können, da sie doch geglaubt hätten, ihn todt in dem Graben liegen zu lassen.« Der 14. Zusatz des »Authentischen Berichtes« sagt, dass von den Husaren »nachher Uhren, Tabaksdosen und dergleichen in Rastatt verkauft worden, ohne dass sie solches zu verheimlichen gesucht«. Eine andere Anecdote, die nachträglich in Rastatt entstand, lautet: »Bei dem Vorrücken der Szekler-Husaren von Gernsbach nach Rastatt am 28. April 1799 erbat sich ein Officier derselben von der Wirthin des Gasthofes »Zum Bock« in Gernsbach (sie hiess »Hennenhofer«)1) Silbergeld für einen doppelten Louisd’or von 22 Gulden, unter der Bedingung, denselben, wenn er könne, wieder einzuwechseln. Die ausgerückten Husaren kamen schon am folgenden Tage zurück2) *) *) Der Name mag für Kenner der badischen Geschichte der Zeit der Grossherzoge Carl und Ludwig nicht uninteressant sein. Es handelt sich hier wohl um die Mutter des bekannten Johann Heinrich David von H. 2) Es ist nicht der geringste Anhaltspunct dafür da, dass die Escadron Burkhard am 29. nach Gernsbach zurückgekehrt sei.