Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)
Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall
128 Criste. aafgenommenen Aussagen bedeutend sinkt, ist dock natürlich und es kann nur auf das Tiefste bedauert werden, dass man sich darauf beschränkte, die einander widersprechenden Aussagen, von denen einzelne klar zu Tage liegende Unwahrheiten enthalten, niederzuschreiben; anderseits ist es doch unbegreiflich, dass selbst dem juge de paix, dass überhaupt Niemandem die Widersprüche in diesen Aussagen auffielen. Mit diesen offenbaren Widersprüchen aber muss gerechnet werden; es geht nicht an, sie zu übersehen oder sie aus irgend welchem harmlosen Grund — unerklärlich zu finden. Haben die französischen Gerichte sich mit den ßäthseln dieser Aussagen stillschweigend zufrieden gegeben, so hatten sie, wie nachgewiesen werden wird, ihre guten Gründe; vor dem Forum der Geschichte bestehen diese Gründe nicht. Der Hauptankläger und Hauptzeuge in einer Person aber, Herr Jean Debry, widerspricht sich in seinen Aussagen selbst; er hat aber auch notorische Unwahrheiten gesägt; noch mehr, es lässt sich aus seinen Aussagen nachweisen, dass er die bestimmte Absicht hatte, die Szekler-Husaren und nur diese als die Mörder erscheinen zu lassen1); er bemüht sich aber auch nachweisbar, als Opfer des Ueberfalles zu erscheinen, ja sogar als das Hauptopfer. Eine Beeinflussung der Aussagen der übrigen Personen durch Debry, besonders der direct von ihm abhängigen, ist nachweisbar und dies vermindert den Werth der Aussagen dieser Personen ganz bedeutend. Und diese Aussagen sollen den Werth unumstösslicher »Documente« besitzen? Was von den Aussagen der Franzosen gilt, gilt zum Theil auch von jenen der markgräflichen Kutscher. Auch diese wurden nicht verhört, sondern mit ihnen nur ein »summarisches Protokoll« aufgenommen und dieser Vorgang muss noch mehr befremden, als der der Franzosen. Hatten diese gute Gründe, die Szekler-Husaren um jeden Preis als die Schuldigen erscheinen zu lassen, so hätten die badischen Behörden, sollte man meinen, ganz besondere Ursache gehabt, die Wahrheit zu erforschen. Oder wollten sie dies nicht? Es wird sich zeigen, dass leider auch die badischen Behörden es vorziehen mussten, den Makel der Schuld auf den Szeklern ‘) Vgl. seine Aussagen über die Sprache der Mörder. Siehe S. 85 ff.