Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)
Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall
Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes. 125 doch diese psychologischen Bäthsel! Ein Mann, der angeblich in furchtbarer Weise misshandelt wird und nur durch ein Wunder dem Tode entgeht, eilt, nach Stunden reiflicher Ueberlegung, also nicht etwa in sinnloser Angst, einerWache derselben Truppe in die Hände, einer Wache, die, nach all’ seinen Voraussetzungen, den Auftrag erhalten haben musste, ihn zu ergreifen und dem Tode zuzuführen! Und Erau und Töchter dieses Mannes sprechen ohne Angst durch Stunden mit Soldaten, die den Vater ermordet haben sollen, ergreifen ruhig und vertrauensvoll die ihnen entgegengestreckten blutbefleckten Hände ! Aber auch der eine markgräfliche Kutscher, von welchem Belin zu erzählen weiss, fürchtet die Husaren nicht; er »unterhielt« sich mit ihnen und hilft ihnen bei der Visitation der Wagen! Prüft man die, auch in Bezug auf das Verhalten der auf dem Schauplatze der That erschienenen Personen, widersprechenden Aussagen der Franzosen und vergleicht diesen Theil der Aussagen mit den bereits früher erwähnten, so lassen sich folgende unumstössliche Thatsachen feststellen: 1. Ein Theil der Augenzeugen — es mag diese Bezeichnung, so wenig sie auch zutrifft, beibehalten werden — sagt bestimmt, die auf dem Schauplatz erschienenen Personen hätten französisch, ein anderer behauptet, sie hätten deutsch gesprochen und nur wenige erwähnen ausdrücklich der ungarischen Sprache. Unter diesen letzteren befinden sich, was jetzt schon hervorgehoben werden muss, die Damen Debry’s. 2. Ein Theil der Augenzeugen und zwar jener Theil, der bei dem vorderen Wagen war, giebt eine nur geringe Anzahl von Attentätern an, während der andere von einer bedeutend grösseren Anzahl spricht. 3. Während die Einen von haarsträubenden Handlungen der Mörder sprechen, erzählen die Anderen von Zügen und Handlungen, die geradezu auf Gutmüthigkeit und Wohlwollen sckliessen lassen. Diese in die Augen springenden Widersprüche in den Aussagen der Augenzeugen lassen sich nun absolut nicht in