Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)
Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall
114 Criste. aber, dass seine Collégén, besonders der kränkliche Bonnier, ebenfalls der rauhen Witterung entsprechend gekleidet gewesen sein dürften und auch Perrücken trugen. Dem Gesandten Debry war es offenbar sehr stark darum zu thun, den Glauben zu erwecken, das Attentat habe auch seiner Person gegolten, da er nicht nur im Gegensatz zu allen Anderen behauptet, es sei auch nach ihm gerufen worden, sondern auch von einer Menge von Wunden spricht, die er erhalten haben will, im vollen Gegensatz' zu dem ärztlichen Befund, der blos einige ganz unbedeutende Con- tusionen und Hautabschürfungen constatiert hat, die sich Debry ganz leicht während seiner nächtlichen Wanderung im Walde oder wo er sonst die Nacht über gewesen sein mag, zugezogen haben kann. Schliesslich geht aus den Aussagen Debry’s, die er schriftlich niedergelegt hat und jenen, die er den fremden Gesandten gemacht hat, mit unwiderleglicher Bestimmtheit hervor, dass Debry über seinen Aufenthalt während der Nacht des 28. April nichts Bestimmtes angeben kann und dass er über seine Rückkehr nach Rastatt nachweisbar Unwahres ausgesagt hat. Aus den Aussagen geht ferner hervor, dass die Herren Boccardi und Rosenstiel, also Personen, die einen höheren Rang in der französischen Gesandtschaft einnahmen, entflohen, bevor sie überhaupt irgend etwas Gefahrdrohendes gesehen oder gehört; dass sie vielmehr auf dringendes Anrathen ihrer Diener, die doch selbst noch gar keine Ahnung von irgend welcher Gefahr hätten haben können, die Flucht ergriffen. Bei Betrachtung dieser Handlungsweise der Diener drängt sich demnach die Vermuthung auf, dass diese bestrebt gewesen sein müssen, ihre Herren von dem Ort der Mordthat zu entfernen. Im Gegensätze zu der Handlungsweise dieser Diener aber, steht jene des Kammerdieners von Roberj ot — eines Mannes, auf dessen Ermordung es unbedingt abgesehen war — gerade er unterlässt es, seine Herrschaft zur Flucht zu bewegen, trotzdem er weiter vorne im Zuge befindlich, eher als der Diener Boccardi’s irgend etwas Gefahrdrohendes hätte sehen oder hören können. Zum Schlüsse ergiebt sich aus den Aussagen der Franzosen selbst eine Thatsache, die, trotzdem ihr Bedeutung