Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)
Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall
Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes. 101 welche die Wagen angehalten waren, auf die Bürgerinnen Debry gemacht haben konnte; aber ich erfuhr bald die wahre Ursache davon. Mein Bedienter war ausgestiegen, um am ersten Wagen eine unserer Fackeln anzuzünden, damit es auch in der Mitte des Zuges hell sein solle, wenn wir über die Brücke fahren würden. Er kommt an den ersten Wagen, dem Debry’s, wo die brennenden Fackeln waren; er sieht, dass Szekler-Husaren, theils zu Fuss, theils zu Pferd auf den Minister einhauen; er wirft seine Fackel weg, reisst sich aus den Händen der Mörder, welche ihm Uhr und Geldbeutel rauben, eilt athemlos zurück und sagt mir, dass gemordet werde, dass man sich schleunig entfernen müsse. Er öffnet dabei den Wagen, zieht mich hinaus und ruft mir zu, dass ich mich retten soll.« Diesen wohlgemeinten Bath befolgte nun Bosenstiel, eilte davon und gelangte durch den Schlossgarten nach Bastatt. Die Aussage Bosenstiel’s zeigt, dass er selbst gar nichts gesehen, sondern dass er das Erzählte von seinem Diener gehört hat. Die Handlungsweise dieses Dieners aber, dessen Aussage man, befremdend genug, nicht verlangt oder mindestens nicht veröffentlicht hat, zeigt auch Eigenthümlich- keiten, die doch nicht übergangen werden dürfen. Dieser Diener war, so erzählt ja Bosenstiel, ausgestiegen, um eine Fackel anzuzünden und hatte sich zu dem ersten Wagen begeben. Der Wagenzug hielt also — aus welcher Ursache? Auf wessen Befehl ? Man wird sagen, auf Befehl der Husaren, die ja mit »fürchterlichem Geschrei« auf den Wagen Debry’s losgestürzt waren! Das ist nicht möglich. In diesem Falle hätte sich der Diener wohl gehütet, nach vorne zu gehen; auch geht aus der Erzählung Bosenstiel’s klar hervor, dass dieser Diener ausgestiegen war, bevor noch Jemand irgendwelche Gefahr witterte; die vordersten Wagen mussten also aus irgend einem anderen Grunde zum Stehen gebracht worden sein. Da aber Debry im ersten Wagen sass, so steht zu vermuthen, dass er den Befehl ertheilt. Weshalb? Der Diener will Szekler gesehen haben, die auf den Minister einhieben; er (der Diener) »wirft seine Fackel weg, reisst sich aus den Händen der Mörder etc.«