Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

Beiträge zur Geschichte des llastatter Gesandten-Mordes. 99 Würdigkeit fehlt. Nachdem sie sich später von den furchtbaren Eindrücken dieser Nacht etwas erholt und ruhiger auf jenes Erlebniss zurückblicken konnte, hat sie, wie bereits kurz angedeutet, Beschuldigungen erhoben, die in merkwürdigem Gegensatz stehen zu den erwähnten Aussagen. Viel bedeut­samer sind demnach die verschiedenen Aussagen des Kammer­dieners, der im »Authentischen Bericht« unbegreiflicherweise als »Better« der Madame Boberjot bezeichnet wird, trotzdem sogar den Autoren dieses Schriftstückes bekannt war, dass die Mörder es nur auf das Leben Bonnier’s und Boberjot’s abgesehen und Niemandem sonst ein Leid zugefügt hatten. AYas nun diesen seltsamen »Better« bewogen haben mag, sich in seiner Pariser Aussage so knapp zu fassen, währender doch nach dem »Authentischen Bericht« so viele interessante Details wusste, ist unerklärbar. Sollte er das Alles auf der Beise vergessen haben? Auch hier steht man wieder, wie so oft, wenn man sich die Mühe nimmt, diese »Quellen« zu prüfen, vor der Frage: »AA^er lügt da?« Wir möchten aus der Bastatter Erzählung dieses Herrn nur zwei Puncte hervorheben. Er will Frau Bob er j ot im Wagen an seine Brust gedrückt und ihr mit den Fingern das Ohr verstopft haben, »damit sie ihres Mannes letztes Aechzen nicht hören sollte!« Abgesehen von der Geistesgegenwart, die der Kammerdiener hiebei entwickelt, indem er nicht etwa an sich und die ihm selbst drohende Gefahr, sondern, von Mitleid ergriffen, nur daran denkt, der unglücklichen Frau beizustehen, dass sie »das letzte Aechzen« ihres Mannes nicht höre, wäre es jedenfalls menschenfreund­licher von ihm gewesen, der Dame statt der Ohren die Augen zuzuhalten und ihr so den entsetzlichen Anblick zu ersparen, —• oder sollte der Kammerdiener desshalb so viel Kaltblütigkeit entwickelt haben, weil er wusste, dass ihm selbst keine Gefahr drohe und hat er der unglücklichen Frau die Ohren zuge­halten, damit sie die letzten AYorte des Sterbenden nicht hören könne, der vielleicht den Namen des Urhebers der Mordthat geröchelt? Dieser \7erdacht wurde schon in Bastatt rege, als Yen on dort seine Erlebnisse zum Besten gab. Aber Herr Yen on erzählte auch, er habe, während Boberjot niedergehauen wurde, die Frau mit sich in den Wagen gerissen und den Schlag hinter sich zugeworfen. Als 7*

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