Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)

Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall

Criste. ob ich nicht Bonnier sei. Ich versuchte von Neuem die Flucht, aber ich ward in einen Graben geworfen, geschlagen und getreten.« Eine aufmerksame Betrachtung dieser Aussagen ergiebt seltsame Resultate. Der Diener Desmont, der neben dem Secretär Belin sitzt, sieht in der tiefen Finsterniss eine »Gruppe« Husaren; der Secretär nicht. Dieser muss erst darauf aufmerksam gemacht werden; dann aber sieht auch Belin auf einmal »viele dieser Husaren, die von ihren Pferden gestiegen waren«. Was wohl diese vielen Husaren mit ihren ebenso zahlreichen Pferden gemacht haben mögen?! An den Zügeln können sie sie unmöglich gehalten haben, wenn man berücksichtigt, dass die Reiter den Minister Debry, die Herren Belin und Desmont misshandeln mussten. Dann berücksichtige man ferner, was Belin in der kürzesten Zeit alles thut und leidet! Er wird mit Gewalt aus dem Wagen gerissen, rauft sich mit dem ihn festhaltenden Husaren herum, wird dann in einen Graben geworfen, geschlagen und getreten und ermangelt nicht, in dieser höchst peinlichen Situation die tiefe Finsterniss mit scharfem Auge zu durchdringen und zu sehen, dass Debry von zwei Husaren festgehalten werde, während einer zu Pferde auf ihn losschlug und zu hören, wie der phantasievolle Sigrist rief: »Er ist todt!« Im Uebrigen er­klärt er dazwischen, natürlich in gutem Französisch, dass er nicht Bonnier sei, sondern zur Dienerschaft gehöre, was die angeblichen Husaren sehr gut verstehen. Würdigt man endlich noch die früher erwähnte Behauptung Belin’s, man habe ihn, nicht etwa zu dem nächstgelegenen Wagen Bonnier’s, sondern noch viel weiter, zu dem Roberj ot/s, geschleppt, um ihm Gelegenheit zu bieten, nicht etwa die Ermordung Bonnier’s mit anzusehen, was jedenfalls weniger umständlich gewesen wäre, sondern die Roberjot’s, so wird man ruhig behaupten dürfen: der Mann erzählt Dinge, die nie geschehen sein können; er will Dinge gesehen haben, die er nie gesehen haben kann, sowohl wegen der herrschenden tiefen Finsterniss, als auch in Folge des Schreckens, in welchen er versetzt worden sein musste, als er plötzlich und unerwartet aus dem Wagen gerissen und in den Graben geworfen wurde.

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