Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)
Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall
94 Criste. befand. Begreiflich wird es übrigens, dass dieser Kutscher Unrichtiges aussagt, denn er betheuert selbst, »dass er in seiner Lage kaum auf sich selbst denken« konnte. Was Laublin weiter erzählt, ist allerdings dafür nichts weniger als glaubwürdig. Schon dass er behauptet, gesehen zu haben, wie Bonnier misshandelt wurde und eine detaillierte Beschreibung davon liefert, muss Misstrauen erregen. Wie, ein furchtsamer Mensch — und dass sämmtliche Diener der Gesandten zum mindesten unglaublich feig gewesen sein mussten, bedarf eigentlich keiner näheren Begründung — hat Zeit und Lust, genau zu sehen, wie man einen Anderen misshandelt, während er selbst »geschlagen und geplündert wird«? Merkwürdig ist auch, dass Laublin zwar seinem Herrn den guten Bath gegeben haben will, zu fliehen, sich aber wohl hütet, den Schlag zu öffnen und erst auf einen bezüglichen Befehl wartet. Im Falle einer Gefahr ist doch jedenfalls die erste Bewegung eines Bedienten, den Schlag weit aufzureissen und dann erst mit seinen guten Bathschlägen zu kommen; merkwürdiger aber noch, als diese befremdende Unterlassung ist, was Laublin, der übrigens genöthigt ist, hervorzuheben, dass die Ereignisse mit Blitzesschnelle vorgiengen, gehört haben will, die Husaren hätten und zwar in deutscher Sprache, gerufen: »Heraus aus dem Wagen!« Und noch mehr: »Hächez ces coquins de patriotes! Hächez!« Das ist nun sehr merkwürdig. Viel befremdender nämlich, als der an und für sich befremdende Umstand, dass die Szekler-Husaren französisch und deutsch gesprochen haben sollen, ist es, dass sie mit Debry französisch und mit Bonnier deutsch sprachen. Warum sie sich auf einmal eingebildet haben sollen, dass Bonnier sie nicht verstehen würde, wenn sie ihn, so wie Debry, französisch anriefen und sich jetzt der deutschen Sprache bedienten, ist unerfindlich. Das Unbegreiflichste aber ist, dass der Commandant der Szekler nicht . nur mit dem Franzosen Bonnier deutsch spricht, sondern sogar den aufgelegten Unsinn begeht, seiner ungarischen und walachi- schen Mannschaft Worte zuzurufen, die ihr ganz und gar unverständlich sein mussten. Denn der Zuruf »Hächez ces coquins etc.« kann, wenigstens nach Aussage des Dieners, doch nur an die Mannschaft gerichtet gewesen sein und nicht etwa