Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 2. (1898)

Aufgelöste Fuss-Truppen - VI. Besondere Kriegs- und sonstige Formationen, dann Frei-Corps und Freiwilligen-Abtheilungen

Im 30jährigen Kriege, sowie in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts existierte, wie hei der Organisation der Infanterie im Allgemeinen erwähnt1), nur eine einheitlich organisierte und verwendete Infanterie. Erst vom spanischen Erbfolgekriege angefangen, wurden einzelne Ab­theilungen, theils in der Stärke von Compagnien, theils von Bataillonen, als mehr oder minder irreguläre Formationen durch freie Werbung aufgebracht und als Theile der operierenden Armee zu diversen kleineren Unternehmungen im Felde verwendet. Auch bestanden mitunter schon in Friedenszeiten Formationen, welche ihrer Organisation und Bestimmung nach, sich in keine der übrigen Gruppen eintheilen lassen. Als sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im österreichischen Erbfolge- und im siebenjährigen Kriege, mit ßücksicht auf die damalige Kampfesweise die Nothwendigkeit ergab, sogenannte „leichte Truppen” in kleineren tactischen Verbänden dem Feinde entgegen zu stellen, so wurde, abgesehen von der Verwendung der für diesen Bienst vorzüglich geeigneten Grenz-Truppen, auch die Aufstellung von sogenannten „Frei-Corps” be­günstigt. Diese wurden durch freiwillige Werbung, zumeist ganz auf eigene Kosten des mit dem Patente hiezu ausgestatteten Commandanten (welcher sich natürlich auch freiwillig hiezu angeboten hatte) aufgebracht. Letzterer erhielt sohin keinerlei Werbgeld und wurden demselben nur bei Uebernahme der Waffen und Bekleidung von Seite des Aerars Erleichterungen gewährt; die Besoldung erhielten solche Abtheilungen von dem Tage der Musterung an. Grundsätzlich wurden dieselben nur auf Kriegsdauer aufgestellt, daher nach dem jeweiligen Friedensschlüsse ganz abgedankt und nur in seltenen Fällen ein Theil in andere Regimenter incorporiert. Vom siebenjährigen Kriege angefangen, wurden einzelne solche Ab­theilungen auch als „Jäger” formiert. Zu diesen wurden solche Leute ausgewählt, welche vermöge ihres Berufes im Schi esswesen besser ausgebildet waren; dieselben wurden auch mit besseren Gewehren versehen und anders adjustiert, als die Infanterie5). In den Feldzugsjahren 1792—1797 (theilweise auch 1799—1800) wurden von Seite der Grenz-Truppen keine ganzen Feld-Bataillone in das Feld ge­stellt, sondern es wurden aus Divisionen mehrerer ein und demselben Generalate angehörender Regimenter combinierte (oder wie die damalige Schreibweise lautete: componierte) Grenz-Bataillone formiert, welche auf den ver­schiedenen Kriegs-Schauplätzen den Dienst als leichte Truppen versahen. >) I. Band, Seite 31. s) Die meisten fallweise aufgestellten Jägor-Bataillone trugen stets graue Röcke mit grüner Egalisierung, wie gegenwärtig. (Siehe im Uebrigen auch I. Band, Organisation der Jager-Truppe.) Geschichte der k. und k. Wehrmacht. II. Bd. 20

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