Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 2. (1898)

Aufgelöste Fuss-Truppen - III. Die combinierten Grenadier-Bataillone

Die Organisation der Grenadiere im kaiserlichen Heere. Die erste Errichtung von „Grenadieren” im kaiserlichen Heere fällt in die Jahre 1669—1671. Nachdem schon 1663 durch den Land-Haus- und Zeugmeister FZM. Grafen Traun der Antrag auf Errichtung einer Compagnie von hundert „Grenadieren und Minierem” gestellt worden war, erscheinen in den genannten Jahren Verhandlungen mit der Republik Venedig durchgeführt, wegen Ueberlassung von je 100 Mann Grenadieren und Minierem. 1670 wurden 100 derlei Mann aus Candia übernommen und dem Regimente Portia zugetheilt. 1671 wurde durch den Obrist Graf Leslie ein erneuerter Vertrag wegen Stel­lung von 100 Mann Grenadieren abgeschlossen. Da sich diese Leute bewährten, so wurde die Anwerbung derselben in den folgenden Jahren allgemein durchgeführt und erhielt successive jedes Regiment per Compagnie acht Mann, welche an die Stelle der früher mit Rundtartschen ausgerüsteten Leute traten. Im Jahre 1700 wurden bei allen Regimentern zu Fuss die bei den Com­pagnien eingetheilten Grenadiere in eine eigene „Grenadier-Compagnie” zusammengezogen ’). Der Stand an Officieren bei derselben war jenem der Füsilier-Com­pagnien gleich, nur war statt des Fähnrichs ein zweiter Lieutenant eingetheilt, von welchen der ältere später „Oberlieutenant”, der jüngere „Unterlieutenant” genannt wurde2). Der Mannschafts-Stand war gewöhnlich geringer, als jener der Füsilier- Compagnien und betrag anfänglich 100 Mann3). Im Jahre 1711 wurden die Regimenter zu Fuss, welche bisher 16 Füsilier- und eine Grenadier-Compagnie zählten, in 15 Füsilier-Compagnien und zwei Grenadier-Compagnien formiert4). Die Grenadiere waren im Allgemeinen wie die Füsiliere bekleidet und ausgerüstet. Statt des Hutes trugen sie eine mit Bärenfell überzogene Kappe (später Grenadier-Mütze genannt), an welcher rückwärts ein mit Zwirnborten verzierter Sack hieng5). r; Markgraf von Baden hatte schon 1684 die Bewilligung erhalten, hei seinem Regimente (1809 als Nr. 26 aufgelöst) eine Grenadier-Compagnie zu bilden. 2) lm Jahre 1748 wurden diese Chargen mit einem eigenen Gebührs-Unterschiede, sowohl für die Grenadier-, als Füsilier-Compagnien normiert. 3) Siehe 1. Band, Tabelle 2. 4) Einige Jahre später (1716) wurden auch bei den Dragoner-Regimentern ^ ..Grenadier- Compagnien zu Pferd”. aufgestellt; über diese enthält der III. Band „Cavallerie” das Nähere. 5) Aehnliche Borten bildeten gleichzeitig die Distinctions-Äbzeichen der Chargen, und zwar beim Feldwebel und Fourier drei silberne, beim Lieutenant vier, beim Hauptmann fünf goldene.

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