Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 1. (1898)
Die Fuss-Truppen - I. Infanterie - Die Infanterie-Regimenter Nr. 1-102.
— 188 — 1690 eine Compagnie (100 Mann) an Pfalz-Neubtu-g (Nr. 20) abgegeben. 1698 abermals sechs im Felde stehende Compagnien unter Obristlieutenant Graf Thürheim als Stamm an das von demselben neu aufgestellte ßegiment (Nr. 28) abgegeben, die vier in Schlesien zurückgebliebenen Compagnien wurden, da mittlerweile der Inhaber, FZM. Metternich, gestorben war, dem Obrist Hasslingen dergestalt conferiert „dass er daraus ein neues ßegiment machen solle” und wurden ihm zur Completierung einige Compagnien des in Italien aufgelösten Regiments Württemberg-Stuttgart übergeben, sowie ein Theil des .Regiments Löwenburg. 1701 wurden vier Compagnien zur Errichtung des Regiments Longueval (1720 aufgelöst), 1704 ein Bataillon ä fünf Compagnien zu jener von de Wendt (1721 aufgelöst) abgegeben, das Regiment erhielt hiefür 1706 zweiTattenbach’sche und zwei Dussart’sche Frei - Compagnien1). 1709 einige Mannschaft an die Regimenter Bevern (Nr. 29) und Plischau (Nr. 22) abgegeben, 1711 eine Compagnie zu der Errichtung des Regiments Toldo, endlich 1715 zwei Compagnien zu jener des Regiments Franz Wallis (1809 als Nr. 43 aufgelöst). 1731 kamen die 1727 aufgestellten Auctions - Compagnien zum Regimente Deutschmeister. 1860 ein Bataillon zu dem neu aufgestellten Linien-Infanterie-Regimente Nr. 75, 1883 ein Bataillon zum Infanterie-Regimente Nr. 91 transferiert. Ergänzung. Von 1649—1741 erhielt das Regiment seine Werbeplätze, sowie Friedens-Garnisonen stets in Schlesien zugewiesen und war der jeweilige Inhaber zugleich auch immer commandierender General daselbst und Festungs- Commandant in Glogau. Diesem Umstande ist es auch zuzuschreiben, dass das Regiment, da es sozusagen schon damals einen ständigen Werb-Bezirk hatte* 2) und überhaupt das Recruten-Material in Schlesien leichter zu bekommen war, wie früher geschildert, so oft ganze Compagnien, ja selbst über die Hälfte des eigenen Standes, an andere Regimenter abgeben musste. 1766 erhielt das Regiment einen Werbe-Rayon im Churfürstenthume Maynz (AschafFenburg), 1771 den ständigen Werb-Bezirk in Böhmen, Kaurimer Kreis, mit der Stabs-Station Kolin zugewiesen, dazu 1775—1807 einen Aushilfs- Bezirk z,u Wieliczka, später Sandec in Galizien. 1806 wurde Prag Haupt-Werb- Bezirks-Station, 1818 der Werb-Bezirk durch den Caslauer Kreis vergrössert. 1830 wurde dem Regimente der Taborer- und Budweiser Kreis, Werb- Bezirks-Station Tabor zugewiesen3), von 1840 an war Neuhaus, 1854 endlich wurde Pisek Haupt-Werb-Bezirks-Station (bei Uebernahme eines Theiles des Werb-Bezirks von Nr. 25). Grenadier-Division. Von 1769—1797 bildete sie mit jener von Nr. 18 und 21 das 4. böhmische Bataillon, 1799—1801 mit jener von Nr. 15 und 47 ein Bataillon auf dem Kriegs-Schauplatze in Italien; in dem Feldzuge 1809 war selbe mit Nr. 10 und 47 vereint, von 1810 bis zur Auflösung 1852 bildeten die Divisionen von Nr. 11, 25 und 54 ein (böhmisches) Bataillon. Friedens-Garnisonen. 1649 Glogau (Liegnitz, Neisse) und gamisonierte das Regiment bis 1740 in den jeweiligen Friedensjahren stets in Schlesien (Glogau, Glatz, Brieg u. s. w.); 1744 Kaschau, 1745 Temesvár, 1749 Pavia, 1750 Görz, 1752 Brüx, 1754 Prag, 1763 Kolin, 1790 Kolin, 1797 Cilii (Gonobitz), 1798 Prag, 1802 Prag, 1804 Pisek, 1806—1809 Prag, 1810-1813 Kolin, 1814 Prag, 1816 Ober- Enheim im Eisass, 1818 Prag, 1830 Neuhaus, 1842 Josephstadt, 1847 Maynz, 1856 Venedig, 1859 Venedig, 1860 Rovigo, dann Venedig, 1861 Monselice, dann Schio, 1862 Trient, 1866 Linz, 1871 Königgrätz, 1877 Pilsen, 1880 Stolac, 1884 Prag, 1889 Innsbruck, 1894 Budweis. Regiments-Knaben-Erziehungshaus. 1782 in Prag activiert, 1833 nach Neuhaus verlegt, wo es bis zur Auflösung (1852) verblieb. J) Erstere waren bayerische Frei-Comioagnien; Obrist Dussart war Commandant in Kaschau und standen die dortigen fünf Compagnien unter seinem Commando, daher auch nach ihm benannt. 2) Dieses ßegiment wurde, sowie das ßegiment Alt-Daun (1748 als O’Gilvy reduciert), welches in gleicherweise die ständige Besatzung von Prag bildete, auch: ,,Garnisons-ßegi- ment'’ genannt. (K. A., F. A. Italien 1704, XIII, 8.) 3) Bisher bei Nr. 54.