Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 10. (Neue Folge, 1898)

Custine's Einbruch in Deutschland - Besetzung von Frankfurt durch die Franzosen. Oberst Houchard's Streifzüge. Custine's weitere Unternehmungen und Pläne

Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792. 57 darauf, dass Kellermann sich nicht durch Unterhandlungen auf­halten lassen, sondern, kurz entschlossen, rasch über Trier nach Coblenz vorstoßen möge; „es ist unerlässlich, dass Sie Custine unterstützen und den Feinden keine Ruhe lassen, welche sich sonst werden vereinigen können, um ihn zu vernichten.“ Kellermann verweigerte es; er könne seine 17.000 Mann, die erschöpft, ohne Kleidung, ohne Schuhe wären, an allem Mangel litten, unmöglich 50.000 Austro-Rreussen entgegenstellen; er müsse seine Truppen ausruhen, sich erholen, Kräfte sammeln, vom Kopf bis zum Fuss kleiden lassen; im Monate Januar würde er dann mit ihnen nach Deutschland aufbrechen. „Kann Custine Mainz nicht halten, so soll er es verlassen; wir werden es eben­so leicht wiedernehmen, als er es genommen hat, gleichzeitig mit Trier und Coblenz.“ Auch die Befürchtung, sogleich dem Commando Custine’s unterordnet zu werden, sowie er auf Trier-Coblenz sich in Marsch setze, bewogen Kellermann zu seiner Weigerung.1) Ueber diese kam Custine sehr in die Hitze; der schönste Feldzug müsse solcherart scheitern! Er schilderte dem Kriegs­minister den „ganz besonderen Stumpfsinn“ Kellermann’s; dessen Briefe wären „sinn- und ideenlos“; Kellermann hätte den Preussen zurückzugehen gestattet, ohne ihnen auch nur ein einziges Nach­hutgefecht zu liefern; das Commando der Mosel-Armee müssse ihm unbedingt abgenommen werden. In einem zweiten Briefe an den Convents-Präsidenten ergieng sich Custine über Kellermann in Beleidigungen und Denunciationen. 2) Dieser Brief fand in Paris Verbreitung und machte viel Aufsehen. Custine erhielt von Biron und seinen politischen Freunden deswegen großen Tadel.3) Er erreichte indessen trotzdem was er wollte. Kellermann wurde vor den Convent berufen, um sich zu rechtfertigen; er gieng zwar nicht nach Paris, berichtete aber, dass er eben im Begriffe sei, von Saarions auf Merzig vorzugehen. Trotz dieser — allerdings überraschenden — Erklärung bestimmte der „vollziehende Rath“ am 5. November den General Beurnonville an seiner Stelle zum Commandanten der Mosel-Armee mit der Weisung, „ehethunlichst abzumarschieren, um an den Unternehmungen Custine’s mitzu­wirken.“ 1) Chuquet, VI., 148, 149. 2) Moniteur, S. 1314. 3) Chuquet, VI., 151.

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