Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 10. (Neue Folge, 1898)

Hauptmann Seidl: Das Mailänder Attentat am 6. Februar 1853 - Einleitung

‘) Mantuaner Acten, I, 182. lutionären Vereinigung im Römischen in Verbindung stehe. Na­mentlich war den Eingeweihten nebst dem Programme und den Statuten der Vereins-Organisation für Ungarn und Siebenbürgen auch ein Auszug aus den Statuten der Mazzini’schen Organisation für den Kirchenstaat von den als Chefs bezeichneten Personen mitgetheilt worden. Pie fraglichen Schriftstücke sollen aber bei den ersten Arretierungen von den Besitzern aus Furcht verbrannt worden sein.1) Trotzdem viele hervorragende Mitglieder der Revolutions­partei in Italien, wie De Christoforis, Emilio Visconti-Venosta, Enrico Cosenz, Medici in Genua, mit dem Plane einer gewalt­samen Volkserhebung durchaus nicht einverstanden waren und davon abriethen, Hessen sich die Mazzinisten von ihrem Vorhaben nicht mehr abbringen. Sie waren der Ansicht, dass ein kühner Handstreich genüge, damit die ganze italienische Nation sich wie ein Mann erhebe. Im Herbste 1852 begab sich Aurelio Saffi, eines der thä- tigsten Mitglieder des leitenden Revolntions-Comités in London, nach Turin. In Stradella kam er mit Depretis zusammen, welcher ihm für die Zwecke der Revolution 25.000 Lire von einem ge­wissen Arnaboldi verschaffte; der Marchese Raimondi steuerte 5000 Lire bei. Giacomo Ciani dagegen, ein sehr reicher und be­kannter Anhänger der „Giovine Italia“ (Raimondi und Ciani, beide Mailänder) wollte von einer Unterstützung der Sache nichts wissen. Die Beförderung der Nachrichten und Correspondenzen mit Mailand über die Grenze vermittelte Scipione Pistrucci. Mazzini trat im Januar 1853 von Lugano und Locarno aus mit mehreren Handwerkern in Mailand in geheime Verbindung. In Genua agi­tierten Quadrio, Lemmi und Mosto, in Bologna das Haupt des dortigen geheimen Comités Giovanni Righi und der Ex-Major Giuseppe Fontana. An einer Versammlung in Locarno nahmen zahlreiche Verschwörer theil, so Dr. de Luigi, Rosales, Majocchi, Binda, De Boni, Sacchi und Sandri. Zur Organisierung des Auf­standes begaben sich Calvi und Mirkovich nach Stradella; Aurelio Saffi, Francesco Pignozzi und Adeodato Franceschini nach Bologna und in die Romagna, wo man auf mindestens 3000 begeisterte

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