Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 10. (Neue Folge, 1898)

Die Prager Juni-Ereignisse 1848

Die Prager Juni-Ereignisse 1848. 289 Die beiden Abgesandten des Wiener Ministeriums, soeben von einem neuen Gange auf die Altstadt zurückgekehrt, wo sie die Perfidie der Insurgenten erfuhren, welche statt, wie sie ver­sprochen, nach dem Ab treten des Fürsten die Barricaden weg­zuräumen, die Mittel des Widerstandes nur vermehrten, vereinigten sich nun mit den Bitten der Garnison und der ruhmwürdige, in der Armee als so ritterlich bekannte General der Cavallerie Graf Mensdorff gieng selbst den Fürsten Windisch-Graetz an, das Commando wieder zu übernehmen und alle geeigneten Mittel anzuwenden, um die Stadt von Neuem zu unterwerfen. Demgemäss wurde die Stadt am 16. Juni in den Belagerungszustand erklärt und der Deputation der Stadtverordneten angekündigt, dass, falls bis Mittag die Unterwerfung nicht neuerdings erfolge, vierzehn benannte Geissein genommen und die Entwaffnung begonnen, die Stadt am 17. bombardiert und zur Erfüllung dieser Bedingnisse gezwungen werden würde. Da die Cavallerie-Verstärkungen aus Pardubitz und Podübrad, sowie die noch übrigen 6 Escadronen Palatinal-Husaren ebenfalls eingerückt waren, so wurden gegen die, nach eingelangten Nach­richten sich in der Umgegend und in dem Berauner, Rokitzaner. Taborer, Kaufimer und Chrudimer Kreis sich sammelnden Land­sturm-Abtheilungen, Streif-Commanden ausgesendet, die Eisenbahn aber durch eine bei Bechowitz aufgestellte Abtheilung derart ab­gesperrt, dass ein bewaffneter Zuzug aus dem Czaslauer Kreise aufgehalten und, nachdem er sich zu wehren versucht hatte, mit Verlust mehrerer Todter und Blessierter, gefangen genommen wurde. Die Prager aber, statt sich den milden Bedingungen des commandierenden Generals zu fügen und die hochherzig neuer­dings gestattete Frist zu benutzen, griffen die Garnison während der Waffenruhe am 16. Juni Abends von Neuem an und eröffneten ein heftiges Feuer auf die am linken Ufer der Moldau sich sicher wäh­nenden Truppen. Hier lieferten dieselben, nachdem sie glänzende Proben der Tapferkeit gegeben, einen neuen Beweis ihres Gehor­sams und ihrer Disciplin ; dieselben Soldaten, die bei dem Ab­treten ihres commandierenden Generals vom Commando alle Bande zerrissen zu haben schienen, dieselben Soldaten liessen jetzt durch mehr wie eine halbe Stunde das Feuer der Insurgenten unbe­antwortet auf sich richten, weil Fürst Windisch-Graetz befohlen Mittheilungen des k. und k. Kriegs-Archivs. Neue Folge, X. 19

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