Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 10. (Neue Folge, 1898)
Die Prager Juni-Ereignisse 1848
278 Die Prager Juni-Ereignisse 1848. sächlich Polen und Franzosen in die Stadt und stündlich wurde es deutlicher, dass blutiger Conflict unvermeidlich werden würde. Am 10‘. Juni fand ein grosser Slavenball statt, bei welchem der Commandierende, obwohl vielfach anonym gewarnt und bedroht, ebenfalls erschien. Wie es sich in der Folge durch die Untersuchung herausstellte, war dieses Fest zu einem Attentat auf die Person des Fürsten ausersehen und nur durch die Gegenwart der Officiere, die ihren General gleich beim Eintreten umgaben und nicht mehr verhessen, wurde dessen Ausführung verhindert. So brachen die Pfingstfeiertage an und und mit ihnen eine der denkwürdigsten Epochen der österreichischen Geschichte. Wenngleich die politischen Massregeln bis jetzt noch in das Ressort des Guberniums gehörten, da vom Belagerungszustände noch keine Rede' sein konnte, so unterliess der commandierende General doch nicht, die militärischen Dispositionen zu geben, welche im Falle eines Ausbruches von Nothwendigkeit waren. Beim ersten Allarmzeichen musste die Garnison bereit sein, die Waffen zu ergreifen, der General vom Tage war mit dem Commando der Truppen an dem Puncte betraut, wo der Ausbruch zuerst erfolgen würde. Den FML. Grafen Khevenhüller und Grafen Wallmoden wurde das Commando auf der Kleinseite übergeben. Die Truppen rückten vor ihre Kasernen und nur die allerwichtigsten Puncte waren zu besetzen. Insolange kein Angriffsbefehl gegeben war, durfte nur im Falle der äussersten Nothwehr von den Schusswaffen Gebrauch gemacht werden; das Bajonnett wurde zum Auseinanderjagen von Volksmassen empfohlen, die selbst noch nicht geschossen hatten. Im Falle es zum Strassenkampfe kommen würde, waren folgende Grundsätze ausgesprochen, deren Aenderung nach Massgabe der Umstände vom General-Commando selbst geleitet werden würde: „Jedes Einlassen in die engeren und minder wichtigen Strassen, jedes Zerstreuen und Zersplittern der Truppen durch das nachtheilige Bestehen auf dem Einnehmen aller Barricaden ist wegen des zu grossen Verlustes, den man dabei erleiden würde, bei strengster Verantwortung zu unterlassen und sich darauf zu beschränken, die Haupt-Communicationen mit aller Kraft zu er-