Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 9. (Neue Folge, 1895)

Oberlieutenant Andreas Kienast: König Friedrich II. von Preussen und die Ungarn bis zum Hubertsburger Frieden 1762 - Friedrich II. Orientpolitik und Ungarn

312 K i e n a s t. um die gefährlichen Anschläge unserer Gegner zunichte zu machen.“ 1) Im Jahre 1762 gelang es Friedrich II. beinahe, durch reiche Geldspenden seines Residenten Boscamp in Baktschisarai (Krim) den Chan zum Einbrüche in Ungarn zu bewegen. Wenigstens rechnete er bestimmt auf ein Hilfscorps von ö—10.000 Tataren; diese in der Richtung über Kaschau dem GLt. Werner zuzuführen, war bereits mit Ende des Vorjahres Lieutenant von der Goltz zum Chan abgesendet worden.2) Obwohl nach den Meldungen Bos- camp’s der Tatarenfürst schon im Mai von der Krim in die Gegend von Jassy aufbrechen wollte und obwohl König Friedrich im Juni in der Person des Husarenmajors Somogyi einen neuen Förderer seiner Pläne mit einem auf 50.000 Dukaten lautenden Creditbriefe in die Tatarei abschickte,3) kam es glücklicherweise doch auch diesmal nicht zur Invasion Ungarns durch die Bar­harenhorden. In Wien hatte man Mitte August von dem drohenden Anmarsche von angeblich 40.000 Tataren Kenntniss erlangt. General Buccow meldete aus Siebenbürgen, was ihm hierüber ein polnischer General Dwiedoszicky zu wissen gemacht und was er aus der Marmaros vernahm. Auch ein Jude, Samuel Macedonier, der als Arzt in den Diensten des Tataren-Chans gestanden zu sein vorgab, aber wegen seiner übertriebenen sonstigen, offenbar auf hohen Lohn berechneten Angaben bei Buccow keinen vollen Glauben fand, machte Mittheilungen von dem bevorstehenden Tatarensturme, welche wir heute dem Wesen nach als richtig erkennen. Nach der Meldung des Juden hatte der Preussenkönig *) *) P C., VIII, 37, 52, 64. — Die Berichte des Grafen Puebla über die Tataren-Gesandtschaft sind ziemlich kühl gehalten. Der Empfang derselben in Berlin war theilweise die Ursache des Abbruches der diplomatischen Beziehungen Preussens zu Russland im Jahre 1750. Es verdient erwähnt zu werden, dass der österreichische Gesandte in Berlin, Marchese Bottá, schon im December 1740 vermuthete, der König habe den Obersten Gessler nicht nur nach Polen geschickt, sondern „vielleicht auch auf russisches Gebiet, um 10 Escadronen Tataren aufzutreiben.“ (Duncker, Die Invasiom Schlesiens... 1740, Mittheilungen des Kriegs-Archivs, X. 1885, Seite 22.) 2) P. C., XXI, 98, 352, 377, 428, 470, 472. 3) Ebenda, 578. Vergl. Zinkeisen, V, 895f.

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