Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Neue Folge, 1894)

FML. Freiherrn von Sacken: Das österreichische Corps Schwarzenberg-Legeditsch. Beitrag zur Geschichte der politischen Wirren in Deutschland Ende 1849-1851

68 Sacken. Nicht weniger belangreich waren jene Tage für Preussen. Am 6. November starb in Berlin der Minister Graf Branden­burg, der bisher mit Geschick die Verhandlungen mit und gegen Schwarzenberg geführt hatte. Der preussische Staats-Anzeiger vom 7. November brachte die Ordre für die Mobilmachung der Armee. Am selben Tage langte oberwähnte Depesche Schwarzen- berg’s ein. Am 8. fand Minister-Rath unter Vorsitz des Königs statt, um die Antwort auf Schwarzenberg’s Note festzustellen. Da kam die fatale Nachricht von Groben. Nun wurde die Antwort-Depesche an Schwarzenberg eiligst abgesendet, welche in den Hauptfragen die gewünschten Con­cessioner! enthielt und in Wien beruhigte. Nur in einem Puncte konnte sich der König von Preussen nicht zur Nachgiebigkeit entschliessen, nämlich zur unbedingten Räumung Kurhessen’s. Aber gerade darauf bestand Fürst Schwarzenberg. Somit nahmen die Zustände wieder ihren gefährlichen Charakter an und die militärische Pression durch das Bundes- Corps unter Fürst Taxis, nunmehr aber verstärkt durch das österreichische Corps Legeditsch, begann von Neuem u. zw. in vermehrtem Masse. Am 9. November 5 Uhr Nachmittags kam FML. v. Legeditsch telegraphisch der Befehl zu: „Die Division hat nach Erhalt dieses zur Unterstützung des bayerischen Corps in Kurhessen einzurücken. Rückantwort tele­graphisch. “ Etwas später folgte das telegraphische Aviso: „Die Division Erzherzog Leopold hat den Befehl erhalten, nach Bamberg vor­zugehen.“ Doch wurde schon am folgenden Tage bekannt gegeben, dass die bezeichnete Division vorläufig nur bis Nördlingen vor­zurücken und dort Cantonnements zu beziehen habe. Wie später gezeigt werden wird, ist der Grund zu dieser Aenderung in der ursprünglichen Verfügung über die Division Erzherzog Leopold darin zu suchen, dass man in Wien den grossen Krieg mehr denn je in’s Auge fasste, wenn die Begebenheiten in Kurhessen Anlass bieten sollten, loszuschlagen. FML. v. Legeditsch entsendete nach Erhalt der Telegramme sofort den Major Prinzen Solms mit einem Schreiben an den G. d. C.

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